Pfarrer und Pfarrerinnen

Pfarrer von 1890 - 1956

  1. 01.1890 - 31.08.1894 : Adolf Scheerer (Kloster Eberbach und Eichberg - Heute Vitos)
  2. 09.1894 - 31.12.1912 : Rudolf Raßmann
  3. 01.1913 - 30.06.1914 : Emil Knodt
  4. 07.1914 - 31.03.1930 : Alwin Ufer
  5. 04.1930 - 31.01.1954 : Friedrich Hopf
  6. 02.1954 - 31.01.1956 : Gerd Raudnitzky

Hans-Dietrich ReimannHans-Dieter Reimann wurde am 9. Februar 1920 in Breslau geboren. Nach dem Abitur an einem Breslauer humanistischen Gymnasium 1938 absolvierte er den Arbeits- und Wehrdienst (Panzerjägereinheit). Im Krieg kämpfte er an den Fronten in Polen, Frankreich, Russland,
Italien und am Kriegsende im Westen. 1945 geriet er in amerikanische und als bereits entlassener Kriegsgefangener 1946 - Oktober 1949 erneut in so-wjetische Gefangenschaft.

Im November 1949 begann Hans-Dieter Reimann sein Theologie-Studium in Marburg/Lahn, das er später an der Universität in Mainz fortsetzte und 1954 abschloss. Es folgte eine einjährige Vikarszeit an der Markus-Kirche in Wiesbaden. Im Dezember 1955 legte er sein zweites theologisches Examen ab. Am 1. Februar 1956 wurde er mit der Diaspora-Gemeinde Oestrich - Winkel betraut, die er bis zu seiner Pensionierung im Februar 1985 leitete. Am 12. Februar 1956 wurde Reimann durch Propst Dr. zur Nieden im damaligen Betsaal in Oestrich ordiniert.

Inzwischen heiratete Hans-Dieter Reimann seine langjährige Breslauer Braut Ilse Melchert im März 1950 in Marburg/Lahn. Zwei Töchter wurden dem Ehepaar geschenkt, 1952 Angela (jetzt Baronin von Brentano), 1955 Ulrike (jetzt Pfarrerin Decker-Horz).

Bereits am Gründonnerstag des Jahres 1956 begann der Neubau der evangelischen Kirche in Mittelheim, die feierlich eingeweiht wurde am 15. Dezember 1957. Die ersten Jahre arbeitete Reimann ohne Hilfskräfte, unterrichtete an den Oestrich-Winkeler Grund- und Hauptschulen sowie den Oberstufenklassen der St. Ursula-Schule in Geisenheim. Später half ihm im Pfarramt eine Sekretärin. Er konnte einen evangelischen Kindergarten eröffnen (1971), begann mit dem katholischen Pfarrer Hoernis den Winzererntedank-Gottesdienst am 1. Sonntag im Dezember in Kloster Eberbach, setzte sich mit großem Engagement für die Partnergemeinde Wernigerode/Harz ein, für ökumenische Zusammenarbeit und für Gemeindefreizeiten, in denen er Gemeindegliedern besonders verschiedene Alpenlandschaften, aber auch Wien, Rom, Venedig, das Elsass, das Mittelmeer, auch die Schweiz zeigte. Die Jugend führte er mehrfach nach Berlin.

Nur sieben Jahre lang konnte er als Pensionär in Eltville verleben und mit seiner Frau weite Reisen unternehmen, mit den Enkelkindern spielen und basteln. Alljährlich übernahm er in Imst/Tirol oder in Brunneck und Brixen/Südtirol für 3 bis 4 Wochen die Urlauberseelsorge.

Am 4. Februar 1992 erlag Hans-Dieter Reimann in Eltville einem Krebsleiden. (von Ilse Reimann)


Michael Stavenhagen

Michael Stavenhagen  Geboren am 8. April 1953 verbrachte ich meine Kindheit, Jugend und Schulzeit in Alzey/Rheinhessen.

Nach dem Zivildienst in Ingelheim und Wiesbaden-Biebrich studierte ich Evangelische Theologie und Germanistik in Mainz.

Mein Referendariat führte mich das erste Mal in den Rheingau: von 1979 bis 1981 an die Rheingauschule in Geisenheim.

Nach der Fortsetzung meines Theologiestudiums in Wien war ich 1984 und 1985 Vikar in Weiterstadt.

Danach kam ich ein zweites Mal in den Rheingau: 1985 bis 1992 war ich zunächst Pfarrvikar und dann Pfarrer in Oestrich-Winkel.

Von 1992 bis 1994 war ich Pfarrer in Oppenheim, dann von 1995 bis 1999 Schulpfarrer an der Gustav-Stresemann-Wirt-schaftsschule in Mainz. Seit 1999 bin ich Pfarrer in Friedberg.


Ulrike Decker-Horz  Ulrike Decker-HorzFünf Jahre hatte ich mich von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau freistellen lassen, um mich um meine Kinder zu kümmern, deren Zahl inzwischen auf drei angestiegen war.

Da erreichte mich völlig unverhofft der Anruf meines Kollegen Michael Stavenhagen, der sechs Jahre zuvor in Oestrich-Winkel die Nachfolge meines Vaters angetreten hatte.

Er wolle ein Sabbatjahr einlegen, und fragte, ob ich mir vorstellen könne, für ein Jahr die Pfarrstelle mit ihm zu teilen.

Erst mal machten sich Zweifel und Bedenken bei mir breit: Ist das in Ordnung, wenn ich als Pfarrerin in einer Gemeinde arbeite, in der ich aufgewachsen bin? In der mich die Menschen von Kindesbeinen an kennen, und als Pfarrerin vielleicht gar nicht für voll nehmen?

Nach vielen Gesprächen mit dem Kirchenvorstand, dem Dekan und Kollegen, haben wir uns auf dieses Experiment eingelassen. Und siehe, es war gut! Ich hatte in Oestrich-Winkel eine wunderbare Zeit, bin überall auf bekannte und vertraute Gesichter gestoßen, und meine anfänglichen Zweifel ob meiner Anerkennung als Pfarrerin waren ganz schnell ausgeräumt.

Als dann Michael Stavenhagen die Gemeinde verließ und Jens Böhm die Stelle antrat, wurde ich gleich gefragt, ob ich noch einmal bereit sei, einzuspringen, diesmal für die schwangere Mechthild Böhm. Und ich sprang. Und Mechthild wurde noch einmal schwanger und noch einmal.

Und ich durfte weiter in dieser herzlichen, liebevollen Gemeinde arbeiten, in der ich mich immer zu Hause gefühlt habe und der ich so viel zu verdanken habe.


Mechthild BöhmMechthild Böhm  Geboren bin ich 1964 in Freiburg, meine Kindheit und die gesamte Schulzeit habe ich in Oberursel verbracht.

Nach dem Abitur 1983 in Bad Homburg habe ich ein freiwilliges soziales Jahr in einem Heim für geistig behinderte Kinder absolviert.

Das Studium der Evangelischen Theologie von 1984-1990 habe ich in Frankfurt/Main begonnen und in Bonn und kurze Zeit auch in Jerusalem fortgesetzt. Erste Erfahrungen im Pfarrberuf machte ich anschließend als Vikarin an der Stiftskirche in Diez 1991-1992.

Und dann kamen Jens und ich Ende 1992 gemeinsam nach Oestrich-Winkel, wo ich im Januar 1996 ordiniert wurde. Seit Dezember 2004 bin ich Pfarrerin mit halber Stelle in der Luthergemeinde Mainz.

Hier in dieser Kirche sind wir beide ordiniert worden (Jens am 20. Dezember 1992 und Mechthild am 21. Januar 1996), und unsere drei Söhne, die in unserer Oestrich-Winkeler Zeit geboren wurden - Lukas (1993), Jonathan (1995) und Benedikt (2000) - sind hier getauft worden.

Aus dieser kurzen Beschreibung wird schon deutlich, wie sehr wir mit der evangelischen Kirchengemeinde Oestrich-Winkel und ihrer Kirche verbunden waren - und es auch von Herzen bleiben.


Jens Böhm  Jens Böhm1962 in Baden-Baden geboren, bin ich in Berlin und in Gießen aufgewachsen, wo ich 1982 Abitur machte.

Evangelische Theologie habe ich von 1982 - 1989 in Marburg, Berlin und Bonn studiert.

Von 1990 - 1992 habe ich die Ausbildung mit dem Vikariat in Diez - Freiendiez abgeschlossen.

Ende 1992 kamen Mechthild und ich gemeinsam nach Oestrich-Winkel, hier habe ich das Handwerk eines Pfarrers dann wohl endgültig gelernt und ausgeführt.

Seit Juni 2004 bin ich Dekan in Mainz.


Johannes HoeltzJohannes Hoeltz  Geboren wurde ich am 12. Dezember 1967 in Darmstadt und wuchs in der Thomasgemeinde im Osten der Stadt auf. Evangelische Theologie studierte ich in Heidelberg, München, Montpellier, Frankreich, und Marburg. Nach meinem Examen habe ich an einem philosophischen Institut in Indianapolis, USA, gearbeitet. Als Vikar war ich von 1997 bis 1999 in den deutschen evangelischen Gemeinden in Nordwestengland, vor allem in Liverpool und Manchester eingesetzt. Dort nahm ich auch an der pastoralen Ausbildung für anglikanische und methodistische Pfarrer teil.

 

Aufgrund eines nahezu vollständigen Einstellungsstopps unserer Landeskirche war ich von 1999 bis 2004 in der internationalen Personalarbeit einer deutschen Großbank in Frankfurt tätig, zuletzt als Prokurist. Diese Frankfurter Jahre in einem ‚normalen’ Beruf sind für mich Jahre wertvoller Erfahrungen, die ich im Rückblick als eine gute Vorbereitung auf meinen Beruf als Pfarrer erkenne. Eine geistliche Heimat fand ich in diesen Jahren in der anglikanischen Gemeinde Christ-the-King in Frankfurt. Vertretungsgottesdienste ließen in mir den Entschluss reifen, meiner Berufung zu folgen und die Bank zu verlassen.

 

Seit 1. Juni 2005 arbeite ich zusammen mit meiner Kollegin Elke Stern-Tischleder in der evangelischen Kirchengemeinde Oestrich-Winkel. Auch wenn ich immer noch gelegentlich ein Glas Apfelwein schätze, ist der Umzug in den Rheingau für mich beruflich und privat ein Aufbruch geworden. Dafür bin ich dankbar. Die Mitte meiner Tätigkeit als Pfarrer und meiner persönlichen Frömmigkeit ist der Gottesdienst. Nach Jahren in einem weltlichen Beruf ist die Predigt am Sonntag für mich immer wieder neu Herausforderung und Geschenk.


 Pfarrer im Vertretungsdienst der Gemeinde

Helmut KernHelmut Kern  Da der die Pfarrstelle seit 1956 verwaltende Pfarrvikar Hans-Dietrich Reimann seit Herbst 1957 vorübergehend die Nachbarpfarrstelle Geisenheim mit zu versehen hatte, erhielt ich den Auftrag, ihn als neu in den Dienst kommender Pfarrvikar für die Zeit von November 1957 bis Oktober 1959 zu unterstützen und wurde am 10. November 1957 durch Propst zur Nieden im alten Betsaal in Oestrich ordiniert. Eine kurz danach erfolgte und einen Krankenhausaufenthalt bedingende Erkrankung von Herrn Reimann machte es demselben leider unmöglich, an dem auf den dritten Adventssonntag (15. Dezember) festgesetzten ersten Gottesdienst zur Indienstnahme der neuen Kirche in Mittelheim teilzunehmen, so dass ich die letzten Vorbereitungen und die liturgische Gestaltung dieses Gottesdienstes, in dem Kirchenpräsident Martin Niemöller die Festpredigt hielt, zu übernehmen hatte. Während dieser zwei Jahre versah ich vor allem den Dienst in der Gemeinde Geisenheim und rief auch einen aus Angehörigen der Gemeinden Oestrich-Winkel und Geisenheim bestehenden neuen Singkreis ins Leben.


Auf diese beiden Jahre im Rheingau folgten 14 Jahre auf der gegenüberliegenden Rheinseite als Gemeindepfarrer in der Gustav-Adolf-Kirchengemeinde Frei-Weinheim, der Kirchengemeinde Gau-Algesheim und in der Gemeinde der in dieser Zeit in Ingelheim-West erbauten Versöhnungskirche.

Für die Zeit von 1973 bis 1991 wurde ich durch die hessen-nassauische Kirchensynode in drei Legislaturperioden zum Propst für Rheinhessen und Mitglied des Leitenden Geistlichen Amtes gewählt, womit zugleich die Vertretung der vom reformierten Bekenntnis geprägten hessen-nassauischen Kirchengemeinden verbunden war, hinzu kam bis 1994 die Mitgliedschaft im Moderamen (Leitung) des Reformierten Bundes in Deutschland, von 1985 bis 1996 auch in der Synode der EKD.

Seit nunmehr bereits 16 Jahren im Ruhestand wieder in Oestrich-Winkel lebend konnte ich oftmals in Vertretung in der hiesigen Gemeinde auch einen Gottesdienst übernehmen. Dass ich mich vor allem als letzter noch lebender, im alten Oestricher Betsaal ordinierter und am Gottesdienst zur Indienststellung der neuen Kirche in Mittelheim beteiligt gewesener Pfarrer mit der Oestrich-Winkeler Kirchengemeinde in besonderer Weise verbunden fühle, wird mir im Rückblick auf meinen vor 50 Jahren in ihr begonnenen Pfarrdienst in diesem Jubiläumsjahr erneut bewusst.


Hans-Gerhard Rauch  Hans-Gerhard RauchAls ich im Sommer 1984 mit meiner Familie ins eigene Haus in Hallgarten einziehen durfte, erfüllte sich einer meiner Lebensträume. Der Traum reicht zurück in meine späte Kindheit, als ich bei einem Besuch von Ingelheim aus den Rheingau als „Paradies“ entdeckte. Später, in meiner Zeit als Pfarrer der Oranier-Gedächtnis-Gemeinde in Wiesbaden-Biebrich zog es mich mit meiner Frau und unseren vier Kindern immer wieder in das nahe Land der Wälder und der Reben, um der „dicken“ Luft des Industriegebietes zu entfliehen. Diese Sogwirkung hatte Folgen im Kauf eines Grundstückes und dem Bau eines Hauses. Die damit verbundenen Belastungen drückten uns damals schwer, denn meine Frau war neben der Familie mit dem Aufbau und der Organisation des Mahlzeitendienstes „Essen auf Rädern“ und ich selbst mit der Gründung und Leitung einer „Ökumenischen Zentrale für ambulante Pflegedienste“ voll beschäftigt.


Nach zwölf Jahren in Wiesbaden-Biebrich schien ein Wechsel angezeigt. Die Wahl fiel auf Bingen mit der dortigen Johanneskirchengemeinde. Hier waren es eine intensive Bau- und Renovierungstätigkeit, die Weiterführung und Vertiefung der ökumenischen Zusammenarbeit sowie die Gründung einer „Ökume-nischen Nichtsesshaftenhilfe“, die viele Kräfte banden. Doch auch da blieb uns die Sehnsucht nach Hallgarten und dem Rheingau erhalten. Auf die recht anstrengenden vierzehn Jahre in Bingen folgten noch drei Jahre beruflichen Wirkens in Rüdesheim mit Wohnsitz in Hallgarten. Zunächst noch eingebunden in das Leben der Rüdesheimer Gemeinde tasteten wir uns langsam, aber stetig in Oestrich-Winkeler Gefilde vor. Heute können wir dankbar festhalten: Wir sind gut angekommen als Mitbürger in Hallgarten. Und wir fühlen uns wohl als Mitchristen in unserer Evangelischen Kirchengemeinde in Oestrich-Winkel.

Habe ich mich in meiner aktiven Zeit als Pfarrer mit diakonischer Prägung verstanden, so fühle ich mich derzeit als „Pensionär in Rufweite“, um dort auszuhelfen, wo ich gebraucht werde. Meine Vertretungsdienste konzentrieren sich vor allem auf die ehemaligen Gemeinden in Biebrich, Bingen und Rüdesheim. Die Mitarbeit in der hiesigen Gemeinde ist mir aber am wichtigsten, denn da sind wir ja zu Hause.

Ist nun der Kindheitstraum vom „Paradies“ im Rheingau ausgeträumt? Gott sei Dank – noch lange nicht: Ich darf mit meiner Frau und unserer Familie in einer traumhaft schönen Umgebung leben. Ich finde Mitmenschen und Mitchristen, die ich verstehe und von denen ich verstanden werde. Und ich weiß mich gehalten als einer, der nicht im Glauben gebunden, sondern zum Glauben befreit ist.