20180123 Dr Juliane Schuetz

Von Barbara Dietel- Wiesbadener Tagblatt

MITTELHEIM - Mittelheim. Immerhin rund 60 Kilometer ist Heusenstamm von Oestrich-Winkel entfernt, die Stadt im Kreis Offenbach in der Juliane Schüz aufgewachsen ist. Und trotzdem betrachtet sie ihr neues Heim im Pfarrhaus in Mittelheim als ein Nachhausekommen, wie sie sagt. Seit Anfang Januar ist Schüz Pfarrerin in der evangelischen Kirchengemeinde Oestrich-Winkel. Am Sonntag wird sie um 14 Uhr von Propst Oliver Albrecht in ihr Amt eingeführt.

Von der Wissenschaftlerin zur Pfarrerin

Die Ordination sei nicht nur eine Amtseinführung, erklärt die 32-Jährige, die in Oestrich-Winkel ihre erste Pfarrstelle antritt. Es sei die Grundeinsegnung in den geistlichen Dienst, der, da ist sich Juliane Schüz sicher, eine Menge Änderungen mit sich bringen wird. Bisher hat sie die Theologie vorwiegend von der wissenschaftlichen Seite aus betrachtet. Schüz, die in Mainz, Tübingen und am Theologischen Seminar in Princeton in den USA studierte, schrieb ihre Doktorarbeit über Karl Barth, der den theologisch-religionskritischen Grundzug geprägt hat, dass Gott nicht für eigene Zwecke missbraucht werden darf.

Ihr Vikariat an der Lutherkirche in Wiesbaden, wo ihr Mann konfirmiert und das Paar getraut wurde, sei so etwas wie eine Testphase gewesen, um zu schauen, „ob das Pfarramt das ist, was ich machen möchte“. Auch die Forschung an der Universität hätte die 32-Jährige gereizt, die in Mittelheim die Nachfolge von Mareike Frahn-Langenau antritt, die sich um die Lichtkirche bei der Landesgartenschau in Bad Schwalbach kümmert.

Nach ihrem Spezialvikariat, den zwei Jahren in Wiesbaden, kam Juliane Schüz jetzt aus Berlin, wo sie bei der Diakonie arbeitete, nach Oestrich-Winkel. An der kirchlichen Arbeit, dem Umgang mit vielen unterschiedlichen Menschen und Themen, schätzt sie das direkte Feedback. Ihr wissenschaftlicher Hintergrund sei durchaus hilfreich, ob bei der Vorbereitung einer Predigt, der Konzeption des Konfirmandenunterrichts oder bei anderen Angelegenheiten. Deshalb hat sich die 32-Jährige, die klassisch christlich aufgewachsen ist und für ihre Entscheidung für die Kirche auch die sehr gläubige Oma anführt, dann doch um eine Pfarrstelle beworben.

Und wieder kam, wie damals vor Antritt der Vikariatsstelle in Wiesbaden, Post von der Personalstelle der Evangelischen Kirche Hessen/Nassau. Die Pfarrerin sollte sich beim Leiter der Propstei Oliver Albrecht melden. Der schlug Oestrich-Winkel vor. Zunächst habe sie inkognito einen Gottesdienst besucht, dann mit Pfarrerin Elke Stern-Tischleder gesprochen, die ebenfalls eine volle Pfarrstelle in Oestrich-Winkel hat und sich schließlich der Gemeinde vorgestellt. Der Kirchenvorstand nahm den Vorschlag des Propstes an. Zum 1. Januar wurde Juliane Schüz in den Probedienst berufen. Drei Jahre muss sie sich nun bewähren, dann wird sie Pfarrerin auf Lebenszeit.

In der Mittelheimer Kirche lässt sich freier agieren

Ihren ersten Gottesdienst in der modernen Kirche in Mittelheim, die im Gegensatz zur pompösen Lutherkirche, die viel vorgebe, viel näher dran sei an Räumen, die man sonst so kenne, hat sie schon hinter sich. In der Kirche mit Bestuhlung statt fester Kirchenbänke könne man viel freier agieren, findet Juliane Schüz, die in der kurzen Zeit auch schon festgestellt hat, dass das Thema Ehen zwischen Katholiken und Protestanten im Rheingau einst ein brisantes Thema war, das die Leute bis heute beschäftige. Viele ökumenische Formate gebe es bereits, sie könne sich noch mehr Zusammenarbeit beider Kirchen vorstellen. Erst einmal will sie sich aber an eine eherne Regel halten. Sie laute, im ersten Jahr nichts zu ändern. Juliane Schüz sieht dazu auch gar keine Notwendigkeit. „Mein erster Eindruck ist, dass hier vieles gut läuft.“

Evangelische Kirchengemeinde und St. Vincenzstift arbeiten an inklusivem Projekt

2017chk bauwagen 1Rheingau Echo - 27.04.2017 - Mittelheim. (chk)
 
Die evangelische Kirchengemeinde Oestrich-Winkel hatte sich mit ihrem inklusiven Bauwagen-Projekt am Förderwettbewerb „chrismon Gemeinde 2017“ beworben.
 
Mit beachtlichen 899 abgegebenen Stimmen konnte sie zwar keinen der vorderen Plätze belegen, aber ein Gewinn für die Gemeinde wird der Bauwagen allemal, denn er wird den Kinder- und Jugendgruppen einen Platz bieten.

Yara Mimi Höhn vertritt die evangelische Rheingauer Jugend im Dekanat

Wiesbadener Kurier 11.02.2017 Von Jutta Schwiddessen.

OESTRICH-WINKEL - Sie vertritt die evangelische Jugend des Rheingaus im neu gestalteten Dekanat Rheingau Taunus und ist darauf auch ein wenig stolz. Darf sie auch sein, denn Yara Mimi Höhn (15) aus Winkel gehört zu den acht im Dezember gewählten Mitgliedern der Dekanats-Jugendvertretung, die künftig aktiv mitbestimmen, was für Jugendliche angeboten und getan wird.

 20170211 Yara Mimi Hoehn

Auch wenn die frisch in das Gremium gewählte Schülerin des Geisenheimer St. Ursula-Gymnasiums „noch nicht so recht weiß, was da alles auf mich zukommt“, ist sie überzeugt, dass es wichtig ist und Spaß machen wird. Wie zum Beispiel die Vorbereitung der Dekanatsjugendfreizeit, die in diesem Sommer in der Toskana stattfindet, und von ihr mitorganisiert und -betreut wird.

Die Jugendfreizeit war es auch, die die 15-Jährige sozusagen in den „aktiven Kirchendienst“ gelockt hat. Nach der eigenen Konfirmation vor zwei Jahren war sie in Kroatien dabei und hellauf begeistert, „besonders von den Leuten, die ich dort getroffen habe“. Ein bisschen gepusht von Dekanatsjugendreferentin Connie Gutenstein besuchte Yara Schulungen und ist heute selbst eine der jungen Teamer(innen), die Pfarrerin Mareike Fahn-Langenau einmal die Woche beim Konfi-Unterricht in Oestrich-Winkel begleiten. Die Schulungen, sagt Yara, die im Mai 16 wird, haben sich gelohnt. „Ich habe viel gelernt über Rechte von Kindern und Jugendlichen“, aber auch, wie man mit den kaum Jüngeren umgeht. „Eigentlich bin ich ja ein introvertierter Mensch“, meint Yara, doch jetzt falle es ihr deutlich leichter, auf andere zuzugehen. Kirche und Spaß, das passt für Yara bestens zusammen. Ein bisschen gegrübelt hat sie dennoch, ob sie sich den Dekanats-Jugendvorstand auch noch aufhalsen kann. Genau genommen ist die 15-Jährige nämlich rundum ausgelastet: Neben der Schule spielt die Tochter eines Bassisten und der Rheingauer Sängerin Dunja Koppenhöfer Bass-Gitarre (im Schulorchester und der eigenen Band „Lighthouse Lane“, in der sie auch singt), spielt Theater in Bad Schwalbach und nimmt Klavierunterricht. „Bis jetzt geht es aber mit dem Stress“, meint Yara optimistisch.

Und wie hält sie’s mit der Religion? Muss man bibelfest und glaubenstreu sein, um in der evangelischen Jugendarbeit aktiv mitzuarbeiten? „So streng ist das nicht“, aber man sollte wenigstens auf der Suche nach einer Antwort sein, ob es Gott gibt, meint Yara. „Wichtig ist es, nachzudenken, den Tag zu reflektieren, sich Gedanken zu machen, was die Welt an Schönem zu bieten hat, und dass das oft auch Kleinigkeiten sein können.“ Das steht für sie auch im Vordergrund der Gebetsstunden und Andachten, die auch bei den Dekanats-Jugendfreizeiten dazugehören.

Im Jugendvorstand werden Yara und ihre Kolleg(inn)en über die Kinder- und Jugendarbeit mitentscheiden, aber auch praktische Aufgaben haben – etwa die Vorbereitung von Jugendgottesdiensten des großen Dekanatskonfitages in Taunusstein oder eventuelle Beiträge für Kirchentage. Genau das eigentlich, was Yara interessiert: „Nette Leute treffen, Sachen organisieren und planen“, das sei ihr Ding.

Im Lutherjahr sind die jungen Vorstandsmitglieder auch aufgefordert, sich Gedanken über Beiträge zu diesem Thema zu machen. Yara Mimi Höhn hat daheim in Oestrich-Winkel bereits eine Aktion angeleiert. Genau genommen war’s eigentlich die Mama: Dunja Koppenhöfer wird gemeinsam mit den Jugendlichen der Oestrich-Winkeler Konfi-Gruppe ein Lied zum Lutherjahr schreiben und einstudieren, „ein Projekt, das sie selbst mit mir entwickeln“, sagt die Sängerin und Gesangslehrerin. Yara wird selbstverständlich dabei sein.