Die Nachtigall schwimmt in Öl

Orgeltag lockte Besucher zu Führung und Konzert in die Mittelheimer Kirche

Mittelheim. (sf) 08.10.2015 - „Bei uns schwimmt die Nachtigall in Öl, da wegen zu geringer Luftfeuchtigkeit das Wasser immer wieder zu schnell verdunstet“, erklärt Organist und Dekanatskantor Tassilo Schlenther den interessierten Zuhörern.

20151008 oe orgel1Bei einer Orgelführung hatte sein Kollege Patrick Leidinger den vielen kleinen und großen Besuchern in der Mittelheimer Kirche gezeigt, über welche mystischen Eigenheiten eine Orgel verfügt, dazu gehört eben auch das Singen der Nachtigall, das mit Vogelpfeifen, die in Öl schwimmen, nachgeahmt wird und in Musikstücken wunderbar zum Klingen kommt.

Der Klang der Orgel fasziniert die Menschen schon seit Jahrhunderten und eine Orgel hat auf die Zuhörer immer einen magischen Effekt. Da wundert es nicht, dass vergangenen Sonntag überaus viele Gäste die Gelegenheit wahrnahmen, mal etwas mehr über dieses einzigartige Instrument zu erfahren: Beim Tag der Orgel in der evangelischen Kirche Mittelheim durften die Besucher die Orgel sogar selbst einmal ausprobieren.

Der „Tag der Orgel“ ist eine gemeinsame Aktion der drei hauptamtlichen Kirchenmusiker des Evangelischen Dekanats Bad Schwalbach, zu denen neben dem im Rheingau gut bekannten Tassilo Schlenther auch Patrick Leidinger und Thomas Wächter gehören. Jedes Mal wird ein anderes Instrument vorgestellt: Nach Wehen, Schlangenbad, Bad Schwalbach, Michelbach, Bleidenstadt, Geisenheim und Neuhof stand jetzt die neue Orgel der Evangelischen Kirche Mittelheim im Mittelpunkt.

„Es war ein langer Weg, den der eigens dafür gebildete Orgelausschuss zurücklegen musste. Es gab viele Pläne und Diskussionen. Dann lag die Genehmigung der Kirchenleitung in Darmstadt vor und nach der akustischen Sanierung und dem Abbau der alten Orgel ging es endlich los“, erläuterte Alfred Ernst den Weg zur Anschaffung der neuen Orgel. Doch eigentlich sei es ja eine gebrauchte Orgel: „Sie wurde ursprünglich 1975 von der renommierten Orgelbaufirma Bosch aus Kassel in der Evangelischen Laurentiuskirche in Bergen-Enkheim bei Frankfurt am Main aufgestellt. Nachdem sich die dortige Kirchengemeinde zum Erwerb einer neuen Orgel entschlossen hatte, wurde sie fachgerecht abgebaut und beim Orgelbauer Krahwinkel in Trendelburg eingelagert. Die Orgel war beim Kauf nach den Gutachten in einem sehr guten Zustand“. Durch die anderen räumlichen Gegebenheiten in der Kirche in Oestrich-Winkel mussten aber in der Konstruktion der Orgel sowie im klanglichen Bereich noch einige Veränderungen vorgenommen werden. „Vor dem Aufbau der neuen Orgel war eine akustische Sanierung, hauptsächlich an der gegenüberliegenden Altarwand und auch innerhalb des Orgelkörpers erforderlich. Damit wurden die feinen Nuancen des Klangbildes noch besser zur Geltung gebracht“, erläuterte Ernst. Damit möglichst viele Menschen ein einmaliges Klangergebnis genießen können, stand von Anfang an fest, dass es eine „Orgel für Alle“ wird.

So gibt es nicht nur Konzerte außerhalb der Gottesdienste an der neuen Orgel, jetzt gab es hier auch erstmals den Tag der Orgel. Die drei hauptamtlichen Kantoren des

Dekanates hatten die Orgel an diesem Nachmittag ausführlich vorgestellt: Mit einer Orgelführung, Konzerten und einem speziellen Highlight: Einer Stunde „Orgel zum Anfassen“. Das Programm begann schon um 15 Uhr mit der interessanten Orgelführung, danach stand die Orgel zum Ausprobieren für alle Interessierten zur Verfügung. Schließlich gab es ein Vorspiel der Dekanatsorgelschüler und das große Abschlusskonzert der drei Dekanatskirchenmusiker, das die Zuhörer sichtlich beeindruckte. Damit klang der Orgeltag mit einem wundervollen Musikgenuss aus.

Aktionswoche zum Fairen Handel

Oestrich-Winkel, den 04. September 2014 - Vom 12. bis 26. September 2014 läuft mit über 2.000 Aktionen die bundesweit größte Aktionswoche zum Fairen Handel. Veranstaltet wird die „Faire Woche“ vom Forum Fairer Handel e.V. in Kooperation mit TransFair e.V. und dem Weltladen-Dachverband e.V. Bereits zum 13. Mal laden dann Weltläden, Aktionsgruppen, Schulen, kirchliche Initiativen, Supermärkte und Gastronomiebetriebe zu informativen, kulturellen und kulinarischen Veranstaltungen ein, die unter dem Motto „Ich bin fairer Handel“ deutlich machen, dass der Faire Handel in unserem Alltag angekommen ist.

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In Oestrich-Winkel finden im Rahmen der „Fairen Woche 2014“ zwei verschiedene Veranstaltungen statt:

Am Sonntag, den 14. September 2014 um 11.00 Uhr stellt die evangelische Pfarrerin Elke Stern-Tischleder der Gemeinde nach dem Gottesdienst zwei Gäste aus Peru vor, Herrn Juan Aquino Vilchez, Bananen-Bauer, und Herrn Jimmy Yarly Núnjar Quevedo, Vorsitzender der Fairtrade-Kooperative Acproboquea. Sie berichten über „Fairtrade aus Produzenten-Sicht am Beispiel Perus“. Die Diplom- Dolmetscherin Susanne Heyse dolmetscht den Vortrag, der auf Spanisch gehalten wird, ins Deutsche. Jeder Interessierte kann – auch nach dem Gottesdienst, um 11.00 Uhr – in die evangelische Kirche Oestrich-Winkel, Rheingaustraße 105, 65375 Oestrich-Winkel kommen und an der Veranstaltung teilnehmen. Es werden Fairtrade-Waren in der Kirche verkauft und Kaffee und Tee aus fairem Handel ausgeschenkt.

Hier sitzt zusammen, was zusammen gehört

Feierliche Einweihung des neuen Kirchenvorplatz mit allen Stiftern und Spender.

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Die von der evangelischen Kirchengemeinde wird die Inschrift „Hier sitzt zusammen, was zusammen gehört“ bekommen.

Winkel. (sf) – „Nach der Kirche vor der Kirche“ heißt ein guter Brauch, den die Winkeler Pfarrgemeinde seit Jahren pflegt: Dabei trifft man sich mindestens einmal im Monat nach dem Gottesdienst zu einem Umtrunk und Imbiss auf dem Kirchvorplatz und verweilt hier noch eine Zeit lang im regen Gespräch miteinander. Vergangenen Sonntag war dieser Umtrunk etwas ganz besonderes, denn in diesem Rahmen wurde jetzt nach langer Wartezeit endlich der neugestaltete Vorplatz der St.

Walburga-Kirche eingeweiht. In den letzten Monaten war der bis dahin sehr zugewachsene und marode Platz aufwendig und komplett aus Mitteln der Winkeler Pfarrgemeinde renoviert worden. „Die Gemeindemitglieder, örtlichen Vereine und die evangelische Kirchengemeinde Oestrich-Winkel haben uns bei diesem Vorhaben als krönendem Abschluss der aufwendigen Innen- und Außenrenovierung unserer Kirche enorm unterstützt und diesen letzten, dringend notwendig gewordenen Abschnitt, der im Finanzierungsplan des Bistum Limburgs nicht vorgesehen war, erst möglich gemacht“, erklärte Ludger Muno vom Verwaltungsrat bei der offiziellen Einweihung. Bereits 1999 hatte man mit der Kircheninnensanierung begonnen, nach Jahrzehnten erstrahlte der Kircheninnenraum in ganz neuem Glanz. Doch schon 2008 wurde alles durch einen Brandanschlag zunichte gemacht: Unbekannte hatten den antiken, hölzernen Beichtstuhl angezündet. „Unsere Kirche ist auch unter der Woche immer frei begehbar und offen, denn sie liegt wirklich mitten im Ort und direkt am Friedhof und hat tagtäglich Besucher“, erklärte Muno. Das sollte sich auch nach dem Brandanschlag 2008 nicht ändern. Monatelang waren Restauratoren, Maler und Reinigungsfirmen damit beschäftigt, die gerade erst sanierte Kirche von den Brandspuren zu reinigen. Dann folgte einige Monate später die lange geplante Außenrenovierung der Kirche, die 2011 begann und ein ganzes Jahr dauerte. In diesem Abschnitt wurde vor allem das Dach komplett erneuert und mit einer neuen Entwässerung ausgestattet, an der Nordseite erhielt die Kirche eine Schutzverglasung. Schließlich gab es noch einen neuen Außenanstrich, so dass die Kirche jetzt weithin wieder weiß aus der Dorfmitte heraus strahlt. Damit waren die Sanierungsmaßnahmen, die das Bistum Limburg finanziell unterstützt hatte, beendet. Für die Winkeler war allerdings klar, dass man den vernachlässigten Vorplatz auch neu gestalten wollte, deshalb wurden fleißig Spenden gesammelt, die bei Konzerten, Kirchweihfesten und Straußwirtschaften, durch zahlreiche große und kleine Einzelspenden und dank einiger Vereine, wie der Katholischen Frauengemeinschaft, der Brunnenmeisterschaft I oder den Kirchenchören zusammen kamen. Dank dieser Spenden konnte der Platz von Büschen und Unkraut befreit, neu gepflastert und mit Tischen und Bänken einladend möbliert werden. Im Rahmen der offiziellen Einweihung am vergangenen Sonntag übergab die Brunnenmeisterschaft ihre Spende für eine der neuen Sitzbänke. „Die Brunnenmeisterschaft Bezirk I Winkel, bei der traditionell Verbundenheit großgeschrieben wird, hatte anlässlich ihres 85-jährigen Bestehens im Jahre 2012 eine Spende in Höhe von 400 Euro zweckgebunden für die Verschönerung des Kirchenvorplatzes der katholischen Kirche St. Walburga zugesagt. Bereits im Jahre 1998 wurde im Rahmen der Innenrenovierung von der Brunnenmeisterschaft eine Leuchte gestiftet. Gerne kommen wir auch unserem zweiten Versprechen nach und übergeben, nachdem die Gestaltung des Vorplatzes nunmehr erfolgt ist, hiermit unter dem Motto „Der Tradition verbunden“ das Geld. Im Rahmen von „Nach der Kirche vor der Kirche“ können wir heute, wie in unserem Erkennungslied „Wir feiern im Schatten der Kerch“ die davon angeschaffte Bank einweihen und hoffen, dass diese noch viele Menschen erfreuen und den einen oder anderen zum Verweilen einladen wird“, so die Brunnenmeisterschaft.

20140508 sf 19 2014 oe kirchplatz2Eine weitere Sitzbank hatte die evangelische Kirchengemeinde gestiftet. „Ich hatte schon länger die Idee gehabt, eine Bank für diesen Platz anzuschaffen, weil ich hier öfter verweile, wenn wir eine Beerdigung durchführen. Wir sind der katholischen Kirche Winkel dankbar dafür, dass unsere Kirchengemeinde hier ihre Bestattungsgottesdienste abhalten darf und deshalb wollten wir gerne diese Bank stiften“, erklärte Pfarrerin Elke Stern-Tischleder. Doch mit der Bankspende bat man sie, noch zu warten, da erst der Vorplatz gestaltet werden sollte. Jetzt sei es aber so weit und die gestiftete Bank werde gemäß einer Absprache mit Gemeindereferent Eberhard Vogt die Inschrift „Hier sitzt zusammen, was zusammen gehört“ bekommen.

Ludger Muno dankte schließlich auch unter dem Applaus der zahlreichen Gäste der Verwaltungsratsvorsitzenden Christel Schönleber für ihr Engagement, dem Planer des neuen Platzes Rüdiger Lemp und Ferdinand Charisse und Lothar Konrad für die Ausführung der Pflasterarbeiten. „Der Kirchenvorplatz ist eine Visitenkarte und diese präsentiert sich jetzt an unserer Kirche endlich hell, geräumig, freundlich und einladend“, hielt Muno fest.