Altersverwirrte Menschen in unseren Gemeinden

Von Thorsten Stötzer

RHEINGAU-TAUNUS - Gottes Wort zu verkünden, das ist die ureigenste Aufgabe von Pfarrern und anderen Christen. Was aber sollen sie tun, wenn ihr Gegenüber damit aus gesundheitlichen Gründen nichts mehr anfangen kann? Mit dem Thema „Altersverwirrte Menschen in unseren Gemeinden“ befassten sich daher die Synodalen des evangelischen Dekanats Bad Schwalbach, zu dem im Rheingau die evangelischen Kirchengemeinden Oestrich-Winkel, Geisenheim und Rüdesheim gehören. Impulse lieferte den Teilnehmern mit einem Referat Pfarrer Bernd Nagel, der als Studienleiter im Zentrum Seelsorge und Beratung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) tätig ist. Seelsorge sei oft auf die Sprache und das Gespräch ausgerichtet, erklärte er. „Wo das aber nicht mehr möglich ist, entstehen oft Unsicherheit und Hilflosigkeit“, warnte er Theologen und Laien.

Wie bedeutend das Phänomen Demenz ist, belegte Nagel mit Zahlen: Demnach sind aktuell 1,2 Millionen Menschen in Deutschland derart eingeschränkt, für das Jahr 2050 werde mit 2,6 Millionen Betroffenen gerechnet. Familienangehörige betreuten rund 75 Prozent der Demenzkranken. „Wer dement ist, kann sich in fortschreitendem Maße nicht mehr im Alltag zurechtfinden“, fasste er zusammen.
Außer auf Formen und Phasen der Krankheit ging der Referent auf mögliche Hilfen im persönlichen Umgang ein. Achtung, Würde, Fürsorge und Liebe waren Stichworte dazu, um mit dem Verlust von Identität und Orientierung umzugehen. Es entstünden Herausforderungen für Dekanate und Gemeinden, etwa für die Gestaltung der Gottesdienste, die Frauenhilfe oder die Besuchsdienste. Und wo noch gesprochen werden kann, gewinne die Symbolsprache an Bedeutung, Seelsorgende könnten die Sehnsüchte aufnehmen. Große Stücke hält Nagel zudem auf die Biografie-Arbeit, bei der auch ein Kreuz, ein Konfirmationsspruch oder ein Gesangbuchvers Anreize bilden könnten. Stimulation könne weiterhin durch Gerüche, Geräusche, Handkontakte und Lieder erfolgen. Ritualisierte Abläufe in einer Gruppe wirkten beruhigend, und Musik aktiviere innere Bilder.

Der Vortrag vor der Dekanatssynode sollte nach den Worten von Pfarrer Manfred Wilfert, Klinikseelsorger auf dem Eichberg, den Charakter einer Auftaktveranstaltung haben.

Viele Projekte liefen bereits in den Kirchengemeinden, eine Informationsreihe soll das Jahr hindurch im Dekanat das Wissen um Demenz fördern. Gruppenarbeit diente in Hahn dem Austausch zum Komplex. Im zweiten Teil der Tagung befassten sich die Synodalen mit organisatorischen Dingen wie dem Haushalt 2014. Die Fusion der Dekanate Bad Schwalbach und Idstein zum Jahresanfang 2016 beschäftigt die Protestanten langfristig. Präses Rainer Löll aus Niederlibbach betonte außerdem, dass in der Diskussion um Asylbewerber im Kreis ein Signal von der Tagung ausgehen solle: „Ihr seid uns willkommen.“

Kantoren stellen Orgel vor

Wiesbadener Tagblatt - 19.11.2015 - von Christina Schultz

MITTELHEIM - Die Orgel ist ein einzigartiges Instrument, deren Klang die Menschen schon seit vielen Jahrhunderten fasziniert. Darüber konnte man sich am „Tag der Orgel“ in der evangelischen Kirche in Mittelheim informieren. Interessierte durften sogar selbst alle Register an der neobarocken Bosch-Orgel ziehen.

20151006 Orgel01 Foto RMBHeinzMargieDie drei hauptamtlichen Kirchenmusiker des evangelischen Dekanats Bad Schwalbach, Tassilo Schlenther (Geisenheim), Patrick Leidinger (Bad Schwalbach) und Thomas Wächter (Taunusstein), haben es sich in gemeinsamer Aktion zur Aufgabe gemacht, in jährlichem Turnus jeweils eines der Kircheninstrumente des Dekanats der Öffentlichkeit näherzubringen. Nach Wehen, Schlangenbad, Bad Schwalbach, Michelbach, Bleidenstadt, Geisenheim und Neuhof stand die „neue gebrauchte“ Orgel der Mittelheimer Kirche im Fokus.

Vielfältige Klangfarben

Nicht im Trio, sondern als Duo (Thomas Wächter musste wegen Krankheit absagen) begrüßten die Kantoren Tassilo Schlenther und Patrick Leidinger die Besucher. Sie boten einen abwechslungsreichen Nachmittag mit ausführlicher Vorstellung der Orgel mit ihren Registern und vielfältigen Klangfarben. Das Angebot der Orgel zum Anfassen, bei der das eigene Spiel der Besucher im Vordergrund stand, wurde reichlich genutzt. Den Abschluss bildeten ein Vorspiel der Dekanats-Orgelschüler und das gemeinsame Konzert beider Kirchenmusiker selbst.

„Bedienen sie sich, hier geht es ganz locker zu“, wies Tassilo Schlenther auf Erfrischungen hin, bevor er auf Einzelheiten der vor einem Jahr installierten Orgel einging. Vor vier Jahren sei man auf die Suche nach einem „neuen“ gebrauchten Instrument gegangen. Fündig wurde man in Bergen-Enkheim. Ein komplett neuer Orgelaufbau für die geschätzten 1800 Pfeifen musste geschaffen werden, Orgelbauer Krawinkel aus Nordhessen passte die Orgel den architektonischen Gegebenheiten in Mittelheim an.

Er habe ganze Arbeit geleistet. Aller Respekt gelte diesem Kunsthandwerk, lobte Schlenther und wies auf die schwierige Akustik in der Mittelheimer Kirche hin. Hohlblocksteine an der hinteren Orgelwand verschluckten den Schall, die Bauweise der Kirche aus Glas und Beton tue ein Übriges. „Vor allem im Sommer wird nicht nur der Organist gegrillt, auch die Pfeifen verstimmen schnell.“

Was es mit den Knöpfen in Rot und Grün sowie dem Zimbelstern, dem Effektregister, auf sich hat, erfuhren die Zuhörer während der Einführung in die Technik und den Orgelaufbau durch Patrick Leidinger, der auch Fachfragen beantwortete. Anhand verschiedener Orgelpfeifen-Modelle erklärte er die Bau- und Funktionsweise, veranschaulichte die Entstehung des Tones und untermauerte das mit Klangbeispielen.

Neben Organisten anderer Kirchengemeinden hatten sich auch Hobby-Musiker eingefunden wie Silke Pellegrino aus Oestrich-Winkel, die seit vielen Jahren Orgel spielt. „Eigentlich nur zum Hausgebrauch“, meinte sie bescheiden. Das Angebot, selbst zu spielen, wollte sie noch nicht wagen: „Da bekommt man aber wieder richtig Lust zu üben.“ In den Fingern juckte es auch Frank Weber-Labonte, Organist der evangelischen Kirche in Rüdesheim, der mit virtuosem Spiel und Variationen des Jazz-Klassikers „Take Five“ die Klangvielfalt der Bosch-Orgel unter Beweis stellte.

Die Nachtigall schwimmt in Öl

Orgeltag lockte Besucher zu Führung und Konzert in die Mittelheimer Kirche

Mittelheim. (sf) 08.10.2015 - „Bei uns schwimmt die Nachtigall in Öl, da wegen zu geringer Luftfeuchtigkeit das Wasser immer wieder zu schnell verdunstet“, erklärt Organist und Dekanatskantor Tassilo Schlenther den interessierten Zuhörern.

20151008 oe orgel1Bei einer Orgelführung hatte sein Kollege Patrick Leidinger den vielen kleinen und großen Besuchern in der Mittelheimer Kirche gezeigt, über welche mystischen Eigenheiten eine Orgel verfügt, dazu gehört eben auch das Singen der Nachtigall, das mit Vogelpfeifen, die in Öl schwimmen, nachgeahmt wird und in Musikstücken wunderbar zum Klingen kommt.

Der Klang der Orgel fasziniert die Menschen schon seit Jahrhunderten und eine Orgel hat auf die Zuhörer immer einen magischen Effekt. Da wundert es nicht, dass vergangenen Sonntag überaus viele Gäste die Gelegenheit wahrnahmen, mal etwas mehr über dieses einzigartige Instrument zu erfahren: Beim Tag der Orgel in der evangelischen Kirche Mittelheim durften die Besucher die Orgel sogar selbst einmal ausprobieren.

Der „Tag der Orgel“ ist eine gemeinsame Aktion der drei hauptamtlichen Kirchenmusiker des Evangelischen Dekanats Bad Schwalbach, zu denen neben dem im Rheingau gut bekannten Tassilo Schlenther auch Patrick Leidinger und Thomas Wächter gehören. Jedes Mal wird ein anderes Instrument vorgestellt: Nach Wehen, Schlangenbad, Bad Schwalbach, Michelbach, Bleidenstadt, Geisenheim und Neuhof stand jetzt die neue Orgel der Evangelischen Kirche Mittelheim im Mittelpunkt.

„Es war ein langer Weg, den der eigens dafür gebildete Orgelausschuss zurücklegen musste. Es gab viele Pläne und Diskussionen. Dann lag die Genehmigung der Kirchenleitung in Darmstadt vor und nach der akustischen Sanierung und dem Abbau der alten Orgel ging es endlich los“, erläuterte Alfred Ernst den Weg zur Anschaffung der neuen Orgel. Doch eigentlich sei es ja eine gebrauchte Orgel: „Sie wurde ursprünglich 1975 von der renommierten Orgelbaufirma Bosch aus Kassel in der Evangelischen Laurentiuskirche in Bergen-Enkheim bei Frankfurt am Main aufgestellt. Nachdem sich die dortige Kirchengemeinde zum Erwerb einer neuen Orgel entschlossen hatte, wurde sie fachgerecht abgebaut und beim Orgelbauer Krahwinkel in Trendelburg eingelagert. Die Orgel war beim Kauf nach den Gutachten in einem sehr guten Zustand“. Durch die anderen räumlichen Gegebenheiten in der Kirche in Oestrich-Winkel mussten aber in der Konstruktion der Orgel sowie im klanglichen Bereich noch einige Veränderungen vorgenommen werden. „Vor dem Aufbau der neuen Orgel war eine akustische Sanierung, hauptsächlich an der gegenüberliegenden Altarwand und auch innerhalb des Orgelkörpers erforderlich. Damit wurden die feinen Nuancen des Klangbildes noch besser zur Geltung gebracht“, erläuterte Ernst. Damit möglichst viele Menschen ein einmaliges Klangergebnis genießen können, stand von Anfang an fest, dass es eine „Orgel für Alle“ wird.

So gibt es nicht nur Konzerte außerhalb der Gottesdienste an der neuen Orgel, jetzt gab es hier auch erstmals den Tag der Orgel. Die drei hauptamtlichen Kantoren des

Dekanates hatten die Orgel an diesem Nachmittag ausführlich vorgestellt: Mit einer Orgelführung, Konzerten und einem speziellen Highlight: Einer Stunde „Orgel zum Anfassen“. Das Programm begann schon um 15 Uhr mit der interessanten Orgelführung, danach stand die Orgel zum Ausprobieren für alle Interessierten zur Verfügung. Schließlich gab es ein Vorspiel der Dekanatsorgelschüler und das große Abschlusskonzert der drei Dekanatskirchenmusiker, das die Zuhörer sichtlich beeindruckte. Damit klang der Orgeltag mit einem wundervollen Musikgenuss aus.