Letztes Konzert mit alter Orgel

Neue Orgel mit 29 klingenden Registern wird eingebaut!

Oestrich-Winkel. (sf) 12.06.2014 - Zum letzten Mal erklang bei einem Konzert am Pfingstmontag die altehrwürdige Orgel in der evangelischen Kirche in Mittelheim. Die Flötistin Alvhild Barbatschi, die Cellistin Margret Jost, die Sängerin Jelena Puljas und Tassilo Schlenther an der Orgel hatten für dieses Konzert ein Programm mit Stücken von Bach, Vivaldi, Rheinberger und Mendelssohn vorbereitet.

Der Eintritt für das Konzert war frei, die Künstler baten allerdings um Spenden zu Gunsten der neuen Orgel. Denn direkt nach dem Konzert wird die alte Bosch Orgel in den nächsten Wochen abgebaut. Im Laufe der nächsten Monate wird dann die neue Orgel mit 29 klingenden Registern eingebaut und intoniert. Die feierliche Einweihung ist am 31. Oktober geplant.

„Liebe Trauergemeinde, wir verabschieden uns hier heute mit diesem Konzert von einer altehrwürdigen Dame, die über 40 Jahre Musiker und Sänger zur Verzweiflung gebracht hat“, erklärte der Vorsitzende des Orgelausschusses der evangelischen Kirchengemeinde Oestrich-Winkel, Dr. Jan Kirchner. „Die neue Orgel, die noch nicht ganz bezahlt ist, wir brauchen also noch Unterstützung bei der Finanzierung, hat noch niemand gehört, wir haben also sozusagen die „Katze im Sack gekauft“, setzte Dr. Kirchner seine witzige Einführungsansprache zum letzten Konzert auf der alten Orgel am Pfingstmontag fort. „Ich gebe die Orgel zum Abschuss frei“, fügte er dann noch schmunzelnd hinzu.

„Es war ein langer Weg, den der eigens dafür gebildete Orgelausschuss zurücklegen musste. Es gab viele Pläne und Diskussionen. Doch die Genehmigung der Kirchenleitung in Darmstadt liegt uns vor. Nach der akustischen Sanierung und dem Abbau der alten Orgel geht es endlich los“, erläuterte auch Alfred Ernst den Weg zur Anschaffung der neuen Orgel, die eigentlich ja eine gebrauchte Orgel sei. Er berichtete von einem Besuch beim Orgelbauer Krawinkel in Trendelburg.: „Die Orgel wurde ursprünglich 1975 von der renommierten Orgelbaufirma Bosch aus Kassel in der Evangelischen Laurentiuskirche in Bergen-Enkheim bei Frankfurt am Main aufgestellt. Nachdem sich die dortige Kirchengemeinde zum Erwerb einer neuen Orgel entschlossen hatte, wurde sie fachgerecht abgebaut und beim Orgelbauer Elmar Krahwinkel in Trendelburg eingelagert. Die Orgel ist nach den Gutachten in einem sehr guten Zustand“. Durch die anderen räumlichen Gegebenheiten in der Kirche in Oestrich-Winkel seien in der Konstruktion der Orgel sowie im klanglichen Bereich noch einige Veränderungen vorzunehmen. „Vor dem Aufbau der neuen Orgel ist auch eine akustische Sanierung, hauptsächlich an der gegenüberliegenden Altarwand, gegebenfalls auch innerhalb des Orgelkörpers erforderlich, um die feinen Nuancen des Klangbildes noch besser zur Geltung zu bringen“, erläuterte Ernst. Damit möglichst viele Menschen ein einmaliges Klangergebnis genießen können, wolle man, dass es eine „Orgel für Alle“ wird. Dazu gehören natürlich auch Konzerte außerhalb der Gottesdienstzeiten.

Mit einem Gala-Abend auf Schloss Vollrads hatte man bereits im Sommer letzten Jahres einen Spendengrundstock von 8000 Euro aufgebaut und war so dem Ziel ein Stück nähergekommen. Auch der Vorschlag, eine „Orgel-Patenschaft“ zu übernehmen und für die unterschiedlich großen Pfeifen zwischen 20 und 300 Euro zu bezahlen, fand ebenfalls Gehör. Die 15 großen Prospektpfeifen seien für eine Patenschaft von je 1500 Euro zu haben. „Bei allen Pfeifen können Sie sich Ihren ganz speziellen Pfeifenton aussuchen. Außerdem kann auf Wunsch der Name des Paten auf einer kleinen Tafel neben der neuen Orgel erscheinen, erläuterte er.

Und auch eine Benefizweinprobe im Brentanohaus fand guten Anklang und sorgte für weitere Spenden zur Anschaffung der Orgel, die im Oktober erstmals erklingen soll.

Orgel-Premiere

MITTELHEIM - (bm). Am Reformationstag war Premiere

20141103 orgel01 Die neue Orgel, die sich die evangelische Kirchengemeinde Oestrich-Winkel auf dem "Gebrauchtorgelmarkt" besorgte, hat ihre Feuertaufe bestanden. Der Kantor von St. Gereon in Köln, Jürgen von Moock, brachte die neobarocke Bosch-Orgel im Festgottesdienst zum ersten Mal für die Öffentlichkeit zum Klingen und spielte eine Reihe von Improvisationen. Wie berichtet, hatte sich der Rheingauer Kirchenmusiker Tassilo Schlenter schon im Vorfeld ganz begeistert von dem Instrument gezeigt, das auch wunderbar konzertant einzusetzen sei.

Auch nach dem ersten Gottesdienst-Einsatz erklärte er: "Das ist eine große Bereicherung für die Gemeinde." Der Einbau der Orgel, die ursprünglich ihren Dienst in der Laurentiuskirche in Bergen-Enkheim versehen hat, war ein großes Projekt für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau. "Es war vom Umfang her vergleichbar mit einem Hausbau", so Schlenther. Das Instrument mit 27 Registern, zwei Manualen und 1600 Pfeifen kostete 185 000 Euro, mit dem aufwendigen Einbau hatte die Kirchengemeinde insgesamt 225 000 Euro zu finanzieren. Um die schlechte Akustik in der Kirche zu verbessern, wurde auf der der Orgel gegenüberliegenden Wand ein neuer Putz aufgetragen.

Auch das Raumklima mit meistens hohen Temperaturen und niedriger Luftfeuchtigkeit verlange der "Königin der Instrumente" viel ab, teilte die Kirchengemeinde mit. Aber die neue Orgel sei robust und halte Einiges aus.

Projekt „Sorge tragen für alte Menschen im Rheingau“ gestartet

OESTRICH-WINKEL - 27.03.2014 - Wie wollen Sie altern und sterben? In die Gesellschaft integriert, beachtet, gebraucht und würdig bis zuletzt zu Hause umsorgt, ohne sich als Last zu fühlen? Diesen Wunsch haben auch 99 Prozent der Rheingauer; er erfüllt sich aber trotz 14 Jahren Ökumenischer Hospiz-Initiative nicht einmal für die Hälfte. Um das zu ändern, starteten die Initiative und das Pfarramt für Hospizarbeit und Klinikseelsorge jetzt mit und in Oestrich-Winkels evangelischer Gemeinde ein Projekt: „Sorge tragen – mit und für alte Menschen im Rheingau“ läuft bis September 2015.

Als Moderatoren begleitet der Wiener Palliative-Care-Professor Andreas Heller samt Assistent das neunköpfige Projektteam wissenschaftlich. Es gewann sofort beim Auftakt weitere Interessierte aus Medizin, Pflege, Seniorenarbeit und Kirchengemeinden beider Konfessionen als Multiplikatoren.

Mitmachen kann und soll jeder Rheingauer – schon im eigenen Interesse. Das verdeutlichte die erste Veranstaltung im Gemeindehaus in Mittelheim. Denn alle Generationen leben in einer Gesellschaft, in der sich der eine um den anderen sorgt, und jeder wird irgendwann alt. Ziel des Projektes ist es, in den anderthalb Jahren alle Initiativen mit und für alte Menschen zu vernetzen und überall Runde Tische zu gründen. Außer öffentlicher Vorträge sind im Seniorenkreis um Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Hans-Georg Bialonski zum Beispiel Gesprächskreise und ein Gottesdienst von und mit Senioren geplant. Auf sie konzentriert Pfarrerin Elke Stern-Tischleder auch das Diakoniepraktikum der Konfirmanden im Winter.

„Es geht vor allem darum, ein neues verändertes Bewusstsein im Umgang mit und für alte Menschen zu wecken“, erklärte Hospizpfarrerin und Klinikseelsorgerin Beate Jung-Henkel, Initiatorin und Leiterin des Projekts. Es solle vorhandene Angebote, Nachbar- und Bürgerengagement „stärken und erweitern“. Stern-Tischleder erklärte, dass die Gemeinden alte Menschen direkt ansprechen, die registriert, aber nirgendwo zu sehen sind: „Wir wollen auch Besuche im Krankenhaus anbieten und den Gottesdienst mit Abendmahl nach Hause bringen“, also Kirche von fast reiner „Komm- zur Gehstruktur“ verändern. Um zu erfahren, was Ältere und ihre Angehörigen wirklich außer der gut erforschten Palliativmedizin und Pflege brauchen oder wünschen, seien die Gespräche mit ihnen wichtig, erklärte der Wiener Experte Heller: „Wir speisen ihre Geschichten in einen größeren Kreislauf.“

Jung-Henkel betonte, dass jeder Helfer auch ohne Erfahrung mit jeder Idee willkommen ist, „um die Welt zu den Einsamen zu bringen“, soziale Kontakte in Kleingruppen aufzubauen und allen Rheingauern zu ermöglichen, „im Alter würdig leben zu können“, statt sich als Last zu fühlen. Heller, der durch den Kontakt mit Jung-Henkel zum Projekt kam, erklärte den Win-Win-Effekt: „Sich Sorgen des Anderen zu eigen zu machen und sein Leben zu erleichtern, bereichert auch mein Leben.“