Letzte Synodentagung des Dekanats Bad Schwalbach

Rheingau-Echo (sf)

Die Tagung ging mit dem musikalisch-geistlichen Ausklang und der fast schon komödiantischen Abschlussrede in der Kirche in Oestrich-Winkel zu Ende.

Rheingau. (sf) – „Um die Synodentagung attraktiver zu machen, haben wir uns jetzt auch eine Tombola für alle Anwesenden ausgedacht: Als Hauptpreis steht ein Besuch vom Dekan oder ein Schnitzel mit Pommes zur Wahl“, fast schon wie Stand-Up-Comedy mutete die Abschlussrede von Dekan Klaus Schmid und seinem Stellvertreter Dr. Jürgen Loack in der evangelischen Kirche in Mittelheim zur Synodentagung des Dekanats Bad Schwalbach an.

Die beiden Festredner hatten sich in dem Abschlussgottesdienst, der von Tassilo Schlenther und der Neuen Rheingauer Kantorei mitgestaltet wurde, mit viel hintersinnigem Humor das Thema des Tages „Rückblick-Ausblick-Dank“ auf die Fahne geschrieben und gehen „staubtrockene“ Themen wie Doppik-Haushalt mit Satire an, sehr zum Gefallen der rund 50 Tagungsteilnehmer, die nach Oestrich-Winkel gekommen waren.

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Vorausgegangen war natürlich eine arbeitsreiche Tagung: Präses Löll hatte am frühen Morgen die Anwesenden der letzte Sitzung dieser Synode begrüßt: „Es ist letzte Synodentagung des Dekanats Bad Schwalbach vor der Vereinigung mit dem Dekanat Idstein. Die erste Tagung des daraus hervorgehenden Evangelischen Dekanats Rheingau-Taunus wird am 13. Februar stattfinden“, erklärte Präses Rainer Löll und begrüßte auch Propst Albrecht und Harold Spannaus, den Leiter der Regionalverwaltung Wiesbaden-Rheingau-Taunus. Gleich zu Beginn ging ein Glückwunsch an Wolfgang Ruck aus Adolfseck, der mit dem goldenen Kronenkreuz der Diakonie ausgezeichnet wurde für seine langjährige ehrenamtliche Arbeit in der Leitung der Diakoniestation Bad Schwalbach. Danach begann Dekan Klaus Schmid, der früher als Seelsorger in Geisenheim tätig war, die Tagung mit einem Lied und geistlichen Impuls. In seinem Bericht aus dem Dekanat stellte Klaus Schmid fest, dass dies man an diesem Tag in Oestrich-Winkel sich nicht nur zur letzte Tagung der XI. Dekanatssynode Bad Schwalbach getroffen habe, sondern das diese auch die letzte Tagung einer Synode des Dekanates sei, das am 31.12.2015 nach beinahe 200 Jahren aufhöre zu existieren: „Die 29 Kirchengemeinden werden zusammen mit denen des Dekanats Idstein zum neuen Evangelischen Dekanat Rheingau-Taunus gehören“. Inzwischen sei endlich auch der Pfarrstellenplan genehmigt, der für das Dekanat lediglich Umschichtungen der Pfarrstellen mit sich bringe, vorläufig aber keine Kürzungen. Dekan Schmid ging auch auf personelle Veränderungen ein: „Am 1. Mai 2015 hat Britta Nicolay als Gemeindepädagogin für die Konfirmanden- und Jugendarbeit die Nachfolge von Ramona Bort angetreten. Ramona Bort, die das Dekanat aus persönlichen Gründen auf eigenen Wunsch verlassen hat, ist dem Dekanat jedoch weiter verbunden: Sie war als Helferin beim Dekanatskonfirmandentag am letzten Sonntag dabei. Im Pfarrdienst hat Pfarrerin Monika Kreutz seit dem 1. Juli in Oestrich-Winkel einen 0,5-Vertretungsdienstauftrag für die Elternzeit von Pfarrerin Frahn-Langenau übernommen“. Vakant seien eine 0,5-Pfarrstelle in Rüdesheim, die 0,5-Jugendpfarrstelle im Dekanat und ein 0,5-Vertretungsdienstauftrag in Oestrich-Winkel. „Die Besetzung der freien 0,5-Bildungsstelle, die der Arbeitsgemeinschaft der beiden Dekanate Bad Schwalbach und Idstein zugeordnet ist, wird erst durch das neue Dekanat erfolgen“, so Schmid. Insgesamt werde die Pfarrerschaft älter, was zur Folge habe, dass die Präsenz der Kirche im Religionsunterricht der Schulen weniger werde: „Die Pflicht zum Erteilen von Religionsunterricht reduziert sich stundenweise mit dem Alter und erlischt schließlich ganz. Zum anderen steigt der Krankenstand spürbar“. Zur Frage wann die 0,5-Jugendpfarrstelle wieder besetzt wird, erläutert Dekan Schmid, dass diese als Pfarrvikarsstelle nicht ausgeschrieben werden kann, sondern durch die Propstei mit einem Pfarrvikar besetzt werden muss.

Im Rahmen der Tagung ging Rainer Löll auch auf die teilweise Verwirrung bei der Wahl der neuen Synodalen ein: „Da einige Gemeinden schon ihre neuen Vertreter gewählt haben, dachten einige, dass die heutige Tagung bereits die erste der neuen Synode sei. Tatsächlich jedoch endet die Amtszeit der Synodalen – anders als die der Kirchenvorstände – erst am 31.12.2015. Die Amtszeit der neu gewählten Synodalen der I. Dekanatssynode des Evangelischen Dekanats Rheingau-Taunus beginnt mit der konstituierenden Sitzung am 13.02.2016“. Er bat alle, die auch in der nächsten Wahlperiode gewählt werden, sich diesen Termin bereits zu notieren. Für die Übergangszeit sei die Geschäftsführung für das neue Dekanat im Fusionsvertrag geregelt, der in der letzten Synode im März 2015 verabschiedet wurde. „Beide Dekanatssynodalvorstände mit ihren Vorsitzenden bleiben bis zum 13.02.2016 kommissarisch im Amt, ebenso der Dekan in Bad Schwalbach und die Dekanin in Idstein“, so Löll.

In der konstituierenden Sitzung im Februar erfolge auch die Wahl eines neuen Dekans oder einer neuen Dekanin. „Die letzte Amtszeit von Dekan Schmid hat demzufolge nur drei Jahre gedauert. Nach einer 2. Ausschreibung liegen nun mindestens zwei Bewerbungen vor, mehr ist noch nicht bekannt. Im November erfolgt die Vorstellung der Kandidaten in einer gemeinsamen Sitzung der Dekanatssynodalvorstände zusammen mit Propst Albrecht“, so Löll.
Als nächstes stehe die Fusion mit dem Dekanats Idstein vor der Tür, die bereits seit mehr als einem Jahr von vorbereitet und durch Pfarrer Gäde und Pfarrerin Mattes sehr kompetent begleitet werde. „Ein Ziel ist die bessere Erreichbarkeit des Dekanatsbüros und eine höhere Qualität der Verwaltung als Dienstleister für die Kirchengemeinden, da dann 2 Sekretärinnen und 2 Verwaltungsfachkräfte zur Verfügung stehen. Der Umzug der Idsteiner Verwaltung erfolge jedoch erst nach der konstituierenden Synodentagung, voraussichtlich um Ostern herum. Das Haus der Kirche in Idstein bleibe erhalten: „Dort wird weiterhin der Idsteiner Jugendreferent und außerdem die Flüchtlingsbetreuung verortet sein“. Die sorgfältige Planung beim Umzug des Dekanats in das neues Büro schon für Zeiten nach der Fusion bewähre sich jetzt: „Die Räume wurden von der Kirchenverwaltung ohne Probleme genehmigt. Die Raumfrage erweist sich bei anderen Fusionen oft als wesentliche komplizierter“.

Sprachunterricht
Besprochen wurde auch das Thema Flüchtlinge: Schon vor einem Jahr sei die Flüchtlingsproblematik Thema der Tagung in Georgenborn gewesen. Der damalige Referent Pfarrer Lipsch stehe weiterhin für Beratung zur Verfügung. Jedoch sei eine Versorgung von Flüchtlingen durch Dekanat oder Kirchengemeinden allein nicht möglich. Wichtig sei hingegen die Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen. Ebenso sei es in Einzelfällen möglich, Einfluss auf behördliche Entscheidungen zu nehmen sowie Sprachunterricht zu organisieren und zu fördern, besonders für Flüchtlinge, deren Anerkennung noch aussteht. „Dabei muss ein Teil der Kosten von den Flüchtlingen selbst getragen werden. Ebenso wird darauf geachtet, dass die Kurse auch wirklich besucht werden. Die Finanzierung dieser Maßnahmen erfolgt aus dem im März beschlossenen Budget von 10.000 Euro für die Flüchtlingshilfe. 5.000 Euro davon werden als Zuschuss zu den Personalkosten für zwei hauptamtliche Mitarbeiter als Berater in Verfahrensfragen in der Trägerschaft des Diakonischen Werks Rheingau-Taunus verwendet“.

Mumienwickeln und Jazzkonzert

Evangelische Kirchengemeinde feierte Gemeindefest mit Ausstellung und Benefizkonzert

20150723 oe gemeindefest1Mittelheim. (sf) 23.07.2015 - Ein Riesenprogramm mit tollen Highlights für große und kleine Leute und geselligen Stunden für vier Generationen hatte die evangelische Kirchengemeinde Oestrich-Winkel am vergangenen Sonntag veranstaltet.

„Es ist eine gute Tradition, das wir im Sommer mit allen unseren Familien und Freunden den Sommer feiern und in diesem Jahr gab es zusätzlich ein unterhaltsames Rahmenprogramm, das von den einzelnen Gruppen der Gemeinde gestaltet wird“, erklärte Pfarrerin Elke Stern-Tischleder, die sich über den regen Zuspruch freute.

Evangelische Kirchengemeinden im Rheingau protestieren

Von Christina Schultz - 15.06.2015

RÜDESHEIM - "Stopp mit dem Bahnwahnsinn! Schöpfung bewahren - Bahnlärm stoppen! Gesundheitsschutz vor Wirtschaftsinteressen! Bahnlärm macht krank!" Mit stillem Protest, Plakaten und Transparenten vor der evangelischen Kirche in Rüdesheim machten am Sonntag die Bürgerinitiative Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn, kurz Rheintal 21, und die Evangelischen Kirchengemeinden im Rheingau auf das Thema aufmerksam. Im Gottesdienst wurde für ein leises Rheintal gebetet. Rund 50 Besucher nahmen daran teil. Ziel war es, gemeinsam zu beten mit und für Menschen, die vom Bahnlärm betroffen sind, dem Lärm für einen Augenblick zu entfliehen, innere Ruhe zu finden von allem, was beschäftigt, besorgt und belastet.

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"Gegen Gedröhn der Züge"

Viele Kirchengemeinden engagieren sich gegen Bahnlärm, sagte Willi Pusch, Vorsitzender der Bürgerinitiative, der auf ökumenische Gottesdienste in St. Goar und Kamp-Bornhofen im vergangenen Jahr verwies. Die Pfarrerinnen Christina Roepke-Keidel (Rüdesheim) und Elke Stern-Tischleder (Oestrich-Winkel) sowie Pfarrer Ralf Janisch (Geisenheim) führten durch den Gottesdienst, in dessen Mittelpunkt die Predigt von Dekan Klaus Schmid stand. "Wir sind hier, weil wir uns Sorgen machen um unsere Region, um unsere Landschaft und unsere Kinder", begrüßte Pfarrerin Roepke-Keidel die Besucher. Auch die Kirche wolle ein Zeichen setzen und zeigen, dass sie die Nöte der Menschen registriere und ernst nehme. In den Liedern spiegelte sich die Sorge um das Wohlergehen der Menschen: "Ich will gegen das Gedröhn der Züge meine Träume summen..." Es galt, über den David-Psalm das Wort Gottes zu hören, das Pfarrerin Stern-Tischleder und Pfarrer Ralf Janisch mit Anmerkungen des erkrankten Wallufer Pfarrers Ralf Feilen vortrugen. Auch hier gehe es um das Dröhnen wie Sturmwind und die Ruhelosigkeit, die einen überfalle. Man wünsche sich, Flügel wie Tauben zu haben, um zu entfliehen, so der Psalm. Doch an den Lärm könne man sich nicht gewöhnen, er mache krank und habe zerstörerische Wirkung.

Menschenrecht verletzt

"Permanente Geräusche begleiten uns, tagein, tagaus. Autos, Flugzeuge, Züge umgeben uns in der Unruhe des Alltags." Der Mensch brauche Wegweisung und Orientierung, um Kraft zum Leben zu schöpfen. Die ganze Region leide unter der Unerträglichkeit der Situation, so Dekan Klaus Schmid in seiner Predigt. Menschen, die es sich leisten könnten, zögen weg, die Region blute aus. "Und diejenigen, die da bleiben, leiden weiter." Jeder habe das Recht auf ein menschenwürdiges Leben. Die allgegenwärtige Verlärmung durch inzwischen 600 Güterzüge pro Tag, die mit bis zu 106 Dezibel durch das Rheintal donnerten und deren Zahl sich nach der Erweiterung des Gotthardtunnels noch erhöhen dürfte, sei eine permanente Verletzung des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit. Schon in der Schöpfungsgeschichte werde deutlich, dass Ruhe als göttliches Recht gelte. "Wir brauchen positive Lösungen, nicht die Profitgier darf im Mittelpunkt stehen." Der Lärm in der Region schädige die Gesundheit und Lebensfreude der Menschen.