Mumienwickeln und Jazzkonzert

Evangelische Kirchengemeinde feierte Gemeindefest mit Ausstellung und Benefizkonzert

20150723 oe gemeindefest1Mittelheim. (sf) 23.07.2015 - Ein Riesenprogramm mit tollen Highlights für große und kleine Leute und geselligen Stunden für vier Generationen hatte die evangelische Kirchengemeinde Oestrich-Winkel am vergangenen Sonntag veranstaltet.

„Es ist eine gute Tradition, das wir im Sommer mit allen unseren Familien und Freunden den Sommer feiern und in diesem Jahr gab es zusätzlich ein unterhaltsames Rahmenprogramm, das von den einzelnen Gruppen der Gemeinde gestaltet wird“, erklärte Pfarrerin Elke Stern-Tischleder, die sich über den regen Zuspruch freute.

Evangelische Kirchengemeinden im Rheingau protestieren

Von Christina Schultz - 15.06.2015

RÜDESHEIM - "Stopp mit dem Bahnwahnsinn! Schöpfung bewahren - Bahnlärm stoppen! Gesundheitsschutz vor Wirtschaftsinteressen! Bahnlärm macht krank!" Mit stillem Protest, Plakaten und Transparenten vor der evangelischen Kirche in Rüdesheim machten am Sonntag die Bürgerinitiative Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn, kurz Rheintal 21, und die Evangelischen Kirchengemeinden im Rheingau auf das Thema aufmerksam. Im Gottesdienst wurde für ein leises Rheintal gebetet. Rund 50 Besucher nahmen daran teil. Ziel war es, gemeinsam zu beten mit und für Menschen, die vom Bahnlärm betroffen sind, dem Lärm für einen Augenblick zu entfliehen, innere Ruhe zu finden von allem, was beschäftigt, besorgt und belastet.

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"Gegen Gedröhn der Züge"

Viele Kirchengemeinden engagieren sich gegen Bahnlärm, sagte Willi Pusch, Vorsitzender der Bürgerinitiative, der auf ökumenische Gottesdienste in St. Goar und Kamp-Bornhofen im vergangenen Jahr verwies. Die Pfarrerinnen Christina Roepke-Keidel (Rüdesheim) und Elke Stern-Tischleder (Oestrich-Winkel) sowie Pfarrer Ralf Janisch (Geisenheim) führten durch den Gottesdienst, in dessen Mittelpunkt die Predigt von Dekan Klaus Schmid stand. "Wir sind hier, weil wir uns Sorgen machen um unsere Region, um unsere Landschaft und unsere Kinder", begrüßte Pfarrerin Roepke-Keidel die Besucher. Auch die Kirche wolle ein Zeichen setzen und zeigen, dass sie die Nöte der Menschen registriere und ernst nehme. In den Liedern spiegelte sich die Sorge um das Wohlergehen der Menschen: "Ich will gegen das Gedröhn der Züge meine Träume summen..." Es galt, über den David-Psalm das Wort Gottes zu hören, das Pfarrerin Stern-Tischleder und Pfarrer Ralf Janisch mit Anmerkungen des erkrankten Wallufer Pfarrers Ralf Feilen vortrugen. Auch hier gehe es um das Dröhnen wie Sturmwind und die Ruhelosigkeit, die einen überfalle. Man wünsche sich, Flügel wie Tauben zu haben, um zu entfliehen, so der Psalm. Doch an den Lärm könne man sich nicht gewöhnen, er mache krank und habe zerstörerische Wirkung.

Menschenrecht verletzt

"Permanente Geräusche begleiten uns, tagein, tagaus. Autos, Flugzeuge, Züge umgeben uns in der Unruhe des Alltags." Der Mensch brauche Wegweisung und Orientierung, um Kraft zum Leben zu schöpfen. Die ganze Region leide unter der Unerträglichkeit der Situation, so Dekan Klaus Schmid in seiner Predigt. Menschen, die es sich leisten könnten, zögen weg, die Region blute aus. "Und diejenigen, die da bleiben, leiden weiter." Jeder habe das Recht auf ein menschenwürdiges Leben. Die allgegenwärtige Verlärmung durch inzwischen 600 Güterzüge pro Tag, die mit bis zu 106 Dezibel durch das Rheintal donnerten und deren Zahl sich nach der Erweiterung des Gotthardtunnels noch erhöhen dürfte, sei eine permanente Verletzung des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit. Schon in der Schöpfungsgeschichte werde deutlich, dass Ruhe als göttliches Recht gelte. "Wir brauchen positive Lösungen, nicht die Profitgier darf im Mittelpunkt stehen." Der Lärm in der Region schädige die Gesundheit und Lebensfreude der Menschen.

Diaspora inmitten von Weinberge

Evangelische Sonntagszeitung - Renate Haller (rh)

Die Stadt inmitten von Weinbergen ist eigentlich eine protestantische Diaspora. Der Katholizismus ist hier stark, aus historischen Gründen, denn die Ecke gehörte lange dem Mainzer Erzbischof. Seither hat sich aber einiges geändert: Der Erzbischof ist nur noch ein normaler Bischof, außerdem kein Territorialherr mehr, und viele Evangelische sind zugezogen – teilweise gezwungen als Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg, teilweise angelockt von den Arbeitsmöglichkeiten des Rhein-Main-Gebiets. Mittlerweile wohnen rund 2300 Protestanten hier.

Meditativer Ausblick im Gottesdienst
Ihr Zentrum, das als Kirche und Gemeindehaus gleichzeitig dient, liegt idyllisch. Vom Kirchenraum geht der Blick durch eine große Glasfront über die sich träge dahinwälzenden Wasser des Rheins. Frachtschiffe ziehen vorbei. »Meditativ« nennt Stern-Tischleder diesen Ausblick. Für einige Zeit war sie alleine für ihre Schäfchen zuständig, während sich ihre Kollegin Mareike Frahn-Langenau ihren kleinen Kindern widmet, nun ist mit Monika Kreutz eine Verstärkung für Frahn-Langenaus Elternzeit angekommen. Heinz-Georg Bialonski unterstützt die beiden als Vorsitzender des Kirchenvorstands. Bialonski und Stern-Tischleder arbeiten gut zusammen, telefonieren fast täglich und treffen sich mehrmals im Monat. Ein Gemeindemitglied könnte sich mit einer organisatorischen Frage sowohl an die Pfarrerin als auch an den Kirchenvorstand wenden und bekäme eine zufriedenstellende Antwort.

20151208 sn oestrich winkelDas Gemeindezentrum hat Pelletheizung und Solarstrom
Besonders viel Zeit haben die Theologin und der Vorstand in jüngster Zeit in das Thema Bauen investiert. Das Gemeindezentrum stammt aus den 1950er Jahren und hat kürzlich eine Pelletheizung und Sollarkollektoren bekommen. Und eine bessere Orgel: Eine neobarocke Bosch-Orgel löste das alte kleinere Instrument ab. Die neue Orgel ist aber nicht ganz neu, sondern gebraucht. Dennoch mussten die Oestrich-Winkeler dafür mehr als 225 000 Euro ausgeben. Das war eines der größten Orgelversetzungsprojekte der Landeskirche im vergangenen Jahr.

Ein Aufzug soll das Zentrum barrierefrei machen, danach ist beim Thema Bau erst einmal Ruhe.

Ü-41,7-Party
An anderen Betätigungsfeldern besteht aber kein Mangel. Weltladen, Kita, Vater-Kind-Freizeiten oder das Demenz-Projekt »Sorge tragen für alte Menschen im Rheingau«, bei dem alte Menschen durch biografisches Arbeiten eingebunden werden – Oestrich-Winkel ist eine überaus aktive Gemeinde. Vor kurzem stieg im Gemeindesaal die Ü-41,7-Party. Der Titel ist nicht ganz ernst zu nehmen, sagt Stern-Tischleder und grinst dabei. Die Feier sollte jene Generation ansprechen, die im Gottesdienst und im Gemeindeleben nur selten anzutreffen ist. Das sei auch durchaus erfolgreich gewesen, berichtet die Seelsorgerin, die Hütte sei voll gewesen. Was sicher auch an dem Programm mit DJ lag. Die Gemeinde überlegt, ob sie dieses Konzept bald wiederholen will.

Die Kinder lernen das Gemeindeleben früh kennen
Stern-Tischleder hat aus ihrer Vikariatszeit ein Projekt mitgebracht, das sie hier auch gleich ausprobiert hat: den Vor-Konfirmandenunterricht. Grundschulkinder lernen hier spielerisch, was das Kirchenjahr aus religiöser Sicht bedeutet. Dazu müssen sie noch nicht einmal unbedingt getauft sein. So lernen die Kinder das Gemeindeleben schon früh kennen - und nicht erst im Konfirmandenalter, wo erfahrungsgemäß andere Dinge als die Beziehung zu Gott im Fokus stehen.

Zurückhaltung bei der Frage der Windkraft
Während die Gemeinde bei den jungen Mitgliedern aktiv ist, hält sie sich in anderen Feldern lieber etwas zurück. Bei der Frage der Windkraft zum Beispiel, die derzeit im Rheingau hochemotional diskutiert wird. Die Bevölkerung ist gespalten in Befürworter und jene, die die Rotoren nicht vor der Nase haben wollen. Stern-Tischleder und Bialonski finden die Diskussion viel zu sehr politisch aufgeladen und wollen sich nicht von einer der Seiten vereinnahmen lassen. Bisher hat das auch noch niemand ernsthaft versucht, sagt die Theologin: Das Thema wurde an uns noch nicht offiziell herangetragen. Dagegen ist die Gemeinde aber aktiv gegen den Bahnlärm, der die Oestrich-Winkeler quält und veranstaltet zum Beispiel gemeinsame Gottesdienste mit einer Bürgerinitiative. Die Gleise verlaufen mitten durch den Ort und gleich hinter dem Gemeindezentrum. Da sind die Frachtschiffe, die an der gegenüberliegenden Seite des Hauses vorbeiziehen, doch angenehmer. Meditativ eben.

Kirchengemeinde Oestrich-Winkel, Pfarrerinnen Elke Stern-Tischleder und Monika Kreutz, Rheingau-Straße 105, 65375 Oestrich-Winkel, Telefon: 0 67 23 / 33 85, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!