Evangelische Kirchengemeinde und St. Vincenzstift arbeiten an inklusivem Projekt

2017chk bauwagen 1Rheingau Echo - 27.04.2017 - Mittelheim. (chk)
 
Die evangelische Kirchengemeinde Oestrich-Winkel hatte sich mit ihrem inklusiven Bauwagen-Projekt am Förderwettbewerb „chrismon Gemeinde 2017“ beworben.
 
Mit beachtlichen 899 abgegebenen Stimmen konnte sie zwar keinen der vorderen Plätze belegen, aber ein Gewinn für die Gemeinde wird der Bauwagen allemal, denn er wird den Kinder- und Jugendgruppen einen Platz bieten.

Yara Mimi Höhn vertritt die evangelische Rheingauer Jugend im Dekanat

Wiesbadener Kurier 11.02.2017 Von Jutta Schwiddessen.

OESTRICH-WINKEL - Sie vertritt die evangelische Jugend des Rheingaus im neu gestalteten Dekanat Rheingau Taunus und ist darauf auch ein wenig stolz. Darf sie auch sein, denn Yara Mimi Höhn (15) aus Winkel gehört zu den acht im Dezember gewählten Mitgliedern der Dekanats-Jugendvertretung, die künftig aktiv mitbestimmen, was für Jugendliche angeboten und getan wird.

 20170211 Yara Mimi Hoehn

Auch wenn die frisch in das Gremium gewählte Schülerin des Geisenheimer St. Ursula-Gymnasiums „noch nicht so recht weiß, was da alles auf mich zukommt“, ist sie überzeugt, dass es wichtig ist und Spaß machen wird. Wie zum Beispiel die Vorbereitung der Dekanatsjugendfreizeit, die in diesem Sommer in der Toskana stattfindet, und von ihr mitorganisiert und -betreut wird.

Die Jugendfreizeit war es auch, die die 15-Jährige sozusagen in den „aktiven Kirchendienst“ gelockt hat. Nach der eigenen Konfirmation vor zwei Jahren war sie in Kroatien dabei und hellauf begeistert, „besonders von den Leuten, die ich dort getroffen habe“. Ein bisschen gepusht von Dekanatsjugendreferentin Connie Gutenstein besuchte Yara Schulungen und ist heute selbst eine der jungen Teamer(innen), die Pfarrerin Mareike Fahn-Langenau einmal die Woche beim Konfi-Unterricht in Oestrich-Winkel begleiten. Die Schulungen, sagt Yara, die im Mai 16 wird, haben sich gelohnt. „Ich habe viel gelernt über Rechte von Kindern und Jugendlichen“, aber auch, wie man mit den kaum Jüngeren umgeht. „Eigentlich bin ich ja ein introvertierter Mensch“, meint Yara, doch jetzt falle es ihr deutlich leichter, auf andere zuzugehen. Kirche und Spaß, das passt für Yara bestens zusammen. Ein bisschen gegrübelt hat sie dennoch, ob sie sich den Dekanats-Jugendvorstand auch noch aufhalsen kann. Genau genommen ist die 15-Jährige nämlich rundum ausgelastet: Neben der Schule spielt die Tochter eines Bassisten und der Rheingauer Sängerin Dunja Koppenhöfer Bass-Gitarre (im Schulorchester und der eigenen Band „Lighthouse Lane“, in der sie auch singt), spielt Theater in Bad Schwalbach und nimmt Klavierunterricht. „Bis jetzt geht es aber mit dem Stress“, meint Yara optimistisch.

Und wie hält sie’s mit der Religion? Muss man bibelfest und glaubenstreu sein, um in der evangelischen Jugendarbeit aktiv mitzuarbeiten? „So streng ist das nicht“, aber man sollte wenigstens auf der Suche nach einer Antwort sein, ob es Gott gibt, meint Yara. „Wichtig ist es, nachzudenken, den Tag zu reflektieren, sich Gedanken zu machen, was die Welt an Schönem zu bieten hat, und dass das oft auch Kleinigkeiten sein können.“ Das steht für sie auch im Vordergrund der Gebetsstunden und Andachten, die auch bei den Dekanats-Jugendfreizeiten dazugehören.

Im Jugendvorstand werden Yara und ihre Kolleg(inn)en über die Kinder- und Jugendarbeit mitentscheiden, aber auch praktische Aufgaben haben – etwa die Vorbereitung von Jugendgottesdiensten des großen Dekanatskonfitages in Taunusstein oder eventuelle Beiträge für Kirchentage. Genau das eigentlich, was Yara interessiert: „Nette Leute treffen, Sachen organisieren und planen“, das sei ihr Ding.

Im Lutherjahr sind die jungen Vorstandsmitglieder auch aufgefordert, sich Gedanken über Beiträge zu diesem Thema zu machen. Yara Mimi Höhn hat daheim in Oestrich-Winkel bereits eine Aktion angeleiert. Genau genommen war’s eigentlich die Mama: Dunja Koppenhöfer wird gemeinsam mit den Jugendlichen der Oestrich-Winkeler Konfi-Gruppe ein Lied zum Lutherjahr schreiben und einstudieren, „ein Projekt, das sie selbst mit mir entwickeln“, sagt die Sängerin und Gesangslehrerin. Yara wird selbstverständlich dabei sein.

Musikkabarett - Luther bei die Fische! - Fabian Vogt

Wiesbadener Tagblatt vom 13.02.2017 von Christina Schultz

OESTRICH-WINKEL - Volles Haus bei der evangelischen Kirchengemeinde Oestrich-Winkel. Das Lutherjahr und somit das 500-jährige Reformationsjubiläum ist in aller Munde; das Motto der Gemeinde „Alles Luther oder was?“ verspricht in diesem Jahr viele besondere Veranstaltungen zu diesem Ereignis. Ein besonderes Erlebnis war der Auftritt des Kabarettisten und Theologen Fabian Vogt mit seinem Musikkabarett „Luther bei die Fische!“.

20170210 Luther bei die Fische Fabia Vogt

Direkt am Thema und noch dazu als Benefizveranstaltung angekündigt. Da konnte die Gemeinde zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn die Finanzierung der neuen gebrauchten Orgel schlägt zu Buche. Das Spendenbarometer am Eingang des Gemeindesaales zeigt es genau: Bis das Spendenziel des Orgelprojektes von 200 000 Euro endgültig erreicht ist, bedarf es noch einiger guter Einfälle. Bis zum 22. Dezember 2016 wurden 156 754 Euro erreicht.

Schriftsteller, Musiker, Künstler und Theologe

Von Erfolg gekrönt der Benefizabend mit Fabian Vogt, der ein leidenschaftliches, reformatives Musikkabarett vom Feinsten präsentierte. „Den muss ich haben, der passt in unser Programm“, dachte Gemeindepfarrerin Elke Stern-Tischleder, als sie Kollege Vogt einmal auf der Bühne erlebte: „Ich fand die Idee mit dem Kabarett so gut und freue mich, dass es auch bei uns so gut angekommen ist“. Die Karten waren im Nu verkauft, zum Soloprogramm des gebürtigen Frankfurters und Pfarrers der Taunusgemeinde Oberstedten, der seit 26 Jahren mit Martin Schultheiß als „Duo Camillo“ in Kirchen und auf Kleinkunstbühnen auftritt. Er ist Schriftsteller, Musiker, Künstler und Theologe in einer Person und verblüfft mit Andachten in der Radiosendung „Moment mal“ bei hr3.

Als studierter Musiker hat er seine Gitarre immer dabei, so auch auf der „Kirchen-Bühne“ in Mittelheim, die er unter großem Applaus im leuchtend roten Hemd und mit dynamischen Schritten betritt. Da geht die Post ab, Vogt gibt „Butter – pardon, Luther bei die Fische“ und liefert dem begeisterten Publikum ein Comedy-Programm ab, bei dem kein geringerer als der Reformator Martin Luther die Hauptrolle spielt. Seine Wortspiele sind hintersinnnig, schlagfertig, spitzfindig und urkomisch. Er trifft mit seinen Seitenhieben den Nagel auf den Kopf und versteht es, bestens mitreißende Geschichten zu erzählen, verpackt in flotte Gitarrenrhythmen. Er stellt die Kirche unverblümt auf den Prüfstand und hat das Publikum mit seinen modernen Bibelauslegungen sofort auf seiner Seite. Da wird gelacht, gesungen, im Takt geklatscht und nach Art Luthers werden liebgewordene Lebensweisen mutig infrage gestellt. Da macht Gott einen zweiten Himmel auf, in dem die Lebensfreude Einzug hält; ganz nach Erkenntnis Luthers können und dürfen die Menschen aber auch den Himmel auf Erden finden. Wer die Reformation verstehen will, muss Martin Luther verstehen.

Vogt nimmt kein Blatt vor den Mund. Er bricht eine Lanze für die Ehrenamtlichen in der Kirche und zieht den Vergleich mit der Orgel: „Das sind lauter Pfeifen die im Akkord arbeiten und mit Füßen getreten werden.“ In vier Strophen erzählt er die gesamte Reformationsgeschichte. Auf die Frage „Was würde ich tun, wenn ich noch mal leben könnte?“ hat der Künstler viele erfrischende Antworten parat. Da nimmt es nicht wunder, dass Vogt mit seinen Mitmachgeschichten im Nu sein Publikum einbezieht und die Gemeinde in Oestrich-Winkel in eine „pulsierende Metropole am Rhein“ verwandelt.