23.01.2018 cw Artikel: Sie ist noch keine drei Wochen ist Oestrich-Winkel und hat schon vieles erlebt. Rheinhochwasser, Beerdigungen, Gottesdienste, Konfirmandenunterricht oder auch den Neujahrsempfang der Stadt Oestrich-Winkel. Die Vakanzzeit in der Evangelischen Kirchengemeinde hat nun ein Ende. Seit dem 1. Januar wohnt Pfarrerin Dr. Juliane Schüz mit ihrem Mann Simon Schüz im Pfarrhaus gleich neben der Kirche in Mittelheim.

20180101 Dr Juliane Schuez web C.Weise 01

Zusammen mit Pfarrerin Elke-Stern Tischleder ist das Pfarrteam nun wieder komplett. Zwar stehen noch unzählige Umzugskisten ungeöffnet im Keller, die Küche wird auch erst im März geliefert, aber die 32-jährige „fühlt sich schon gleich als Pfarrerin“, wie sie strahlend sagt. Das liegt vor allem daran, dass es zum Einen „gleich in die Vollen ging“ sowie an vielen „tollen Ankommens-Signalen“, sowohl seitens der Gemeinde als auch von der Stadt.

Von Berlin in den Rheingau
Die geborene Offenbacherin hat lange in Heusenstamm gewohnt und ist in einer christlichen Familie aufgewachsen und war früh in der Evangelischen Kirche aktiv. „Ich wollte schon immer etwas Sinnvolles tun“, erklärt sie ihre Berufswahl, hatte aber eher an Human- oder Tiermedizin gedacht. Erst im Auslandsjahr in Australien und Malaysia merkte sie, dass sie „irgendetwas mit Kirche und irgendetwas mit dem Reich Gottes“ machen wollte. Theologie studiert hat sie in Mainz, Princeton (New Jersey/USA) und Tübingen. Das letzte halbe Jahr vor ihrem Dienstantritt in Oestrich-Winkel war Juliane Schüz mit ihrem Mann in Berlin und arbeitete im so genannten Spezialvikariat im Stabsbereich des Präsidenten der Diakonie Deutschland Ulrich Lilie.

Begeisterung für den Pfarrberuf
„Theologie ist hochspannend“, erzählt sie und man spürt es ihr an. Es sprudelt förmlich aus Juliane Schüz heraus, wenn sie über das Studium, das Lesen und Beschäftigen mit biblischen und theologischen Texten erzählt. Es gäbe so viele wichtige Schätze in der Tradition, die es gelte zu übersetzen und ins Heute zu übertragen. In ihrer Doktorarbeit forschte sie zum Schweizer Theologen Karl Barth und untersuchte die Rolle und Gestalt des menschlichen Glaubens.
Ihr Vikariat absolvierte sie in der Lutherkirchengemeinde in Wiesbaden. „Das hat mir unheimlich viel Spaß gemacht“, so Schüz. „In dieser Zeit hat mich die Begeisterung für den Pfarrberuf und seine Vielfalt vollends ergriffen. In erster Linie begeistert mich die Fülle der Menschen und ihre verschiedenen Perspektiven, mit denen ich es zu tun habe“, schreibt sie im aktuellen Gemeindebrief. Vor allem den unmittelbaren Austausch genieße sie sehr. Der Kontakt in der Gemeinde sei viel konkreter und direkter, als beispielsweise wenn man eine Rezension schreibe. Und so sei sie auch nach so manchem zwölf-Stunden-Tag dennoch erfüllt und glücklich. „Ich stelle mich gerne schnell auf verschiedenen Gruppen ein, das ist das Schöne und zugleich auch die Herausforderung in dem Beruf“, betont Schüz.

Gemeinschaftsverbindender Gottesdienst
In der Gemeinde feiert sie gerne Gottesdienst, schätzt dort die spannende Verquickung von Wort, Verkündigung und Liturgie. „Gottesdienst hat etwas Gemeinschaftsverbindendes“, ist sie überzeugt. Egal mit wem man feiere. So verbinde auch ein Gottesdienst im Altenheim mit älteren und demenzkranken Menschen diese mit anderen Gottesdienstbesuchern. Diese Gemeinschaft, dieses Aufeinander-Achten sei etwas sehr Besonderes.
Man spürt der promovierten Theologin aber auch sehr ihre Liebe zum Akademischen an. „Das möchte ich nicht missen“, bestätigt Juliane Schüz, die auch deshalb im Vorstand des Evangelischen Bundes ist und jetzt im Februar mit führenden Theologen auf eine Art „Theologischen Think Tank“ fährt.

100 Tage Ankommen und Kennenlernen
Jetzt sei aber erst mal das Ankommen in der Gemeinden dran. Das hat sie mit ihrer Kollegin, Pfarrerin Elke Stern-Tischleder vereinbart. 100 Tage lang möchte sie Menschen und Kreise, Gruppen und Institutionen einfach erst mal kennenlernen. „Ich werde mir in den nächsten Wochen zudem sicherlich so 200 bis 300 Namen merken müssen“, sagt sie schmunzelnd. Nach den 100 Tagen wollen sie dann gemeinsam entscheiden, wo sie in der Gemeinde ihre Schwerpunkte legen wird.
Was sie mit Oestrich-Winkel auch verbindet ist die Liebe zum Wasser. So begann sie in Princeton mit dem Rudern im Achter und später im Frauen-Vierer auf dem Neckar in Tübingen. Auch Schwimmen und Segeln, sowie das Reiten sind Leidenschaften der neuen Pfarrerin von Oestrich-Winkel.
Das Wohnen im Pfarrhaus, zwischen Rhein, B42 und Eisenbahn und direkt neben der Kirche ist neu für das Ehepaar. Aber Juliane Schüz freut sich auch darauf. „Und wer weiß, vielleicht schaffe ich mir irgendwann dann doch einen Hund an, das war zumindest der Rat Ihrer Ausbildungspfarrerin“, erklärt die Pfarrerin strahlend.

Gott kennen, von Gott reden

20180201 Schuez Juliane Ordination 01

Probst Oliver Albrecht ordinierte die neue Pfarrerin Dr. Juliane Schüz

Mittelheim. (sf)

„Wir sollen von Gott reden, wir sind aber Menschen und können als solche nicht von Gott reden. Das ist unsere Bedrängnis. Alles andere ist daneben Kinderspiel“, so hat Karl Barth als junger Pfarrer auf seiner ersten Pfarrstelle die Problemlage seines Amtes formuliert. Von Gott reden ist aber die Aufgabe, die mir eben mit der Ordination amtlich übertragen wurde. Die Aufgabe der Predigt, genauso wie die Verantwortung für Seelsorge und Unterricht – die drei Kernbereiche des Pfarrberufs“, sagte die neue evangelische Pfarrerin Dr.

Juliane Schüz in ihrer ersten Predigt in der Mittelheimer Kirche. Im Rahmen eines großen Festgottesdienstes, an dem auch zahlreiche Ehrengäste wie Landrat Frank Kilian, Bürgermeister Michel Heil und der katholische Pfarrer Peter Lauer teilnahmen, wurde die neue Mittelheimer Pfarrerin vergangenen Sonntag von Probst Oliver Albrecht ordiniert.

Die 32-Jährige, die in Offenbach geboren wurde und in Heusenstamm in einer christlichen Familie aufwuchs, war schon früh in der Evangelischen Kirche aktiv gewesen. „Ich wollte schon immer etwas Sinnvolles tun, hatte aber zunächst eher an Human- oder Tiermedizin gedacht“, erläuterte sie. Erst im Auslandsjahr in Australien und Malaysia habe sie sich für den Beruf in der Kirche entschieden. Sie studierte Theologie in Mainz, Princeton, (New Jersey/USA) und Tübingen. Das letzte halbe Jahr vor ihrem Dienstantritt in Oestrich-Winkel war Juliane Schüz mit ihrem Mann in Berlin und arbeitete im so genannten Spezialvikariat im Stabsbereich des Präsidenten der Diakonie Deutschland Ulrich Lilie. Juliane Schüz findet Theologie „hochspannend“ und liebt das Lesen und Beschäftigen mit biblischen und theologischen Texten: „Es gibt so viele wichtige Schätze in der Tradition, die es zu übersetzen gilt und ins Heute zu übertragen“. In ihrer Doktorarbeit forschte sie zum Schweizer Theologen Karl Barth und untersuchte die Rolle und Gestalt des menschlichen Glaubens. Ihr Vikariat absolvierte sie in der Lutherkirchengemeinde in Wiesbaden. In dieser Zeit habe sie die Begeisterung für den Pfarrberuf und seine Vielfalt vollends ergriffen. „In erster Linie begeistert mich die Fülle der Menschen und ihre verschiedenen Perspektiven, mit denen ich es zu tun habe“, schreibt sie auch im aktuellen Gemeindebrief der Kirchengemeinde Oestrich-Winkel. Vor allem den unmittelbaren Austausch genieße sie sehr. Der Kontakt in der Gemeinde sei viel konkreter und direkter, als beispielsweise wenn man eine Rezension schreibe.

Und so war die neue Pfarrerin dann am Sonntag auch ganz nah bei ihrer Gemeinde, begrüßte die Besucher zu Beginn gemeinsam mit ihrer Kollegin Elke Stern-Tischleder, Pfarrerin Ursula Kuhn, Probst Oliver Albrecht und Kirchenvorstand Dr. Heinz-Georg Bialonski. Und stand nach dem Gottesdienst beim Empfang im Gemeindesaal unter der Kirche für viele Gespräche bereit.

Doch zunächst waren die Zelebranten gemeinsam mit den Vertretern des Kirchenvorstandes feierlich in die Kirche eingezogen. Festlich umrahmt wurde der Ordinationsgottesdienst auch von den Sängern der neuen Rheingauer Kantorei unter der Leitung von Tassilo Schlenther, der auch die Orgel spielte.

Dr. Bialonski hatte den Gottesdienst eröffnet und die vielen Besucher herzlich begrüßt. Ihm folgte Pfarrerin Stern-Tischleder und der Chor. Mit dem Lied „Surely goodness an mercy“ von Svein Moller wurde vom Chor der Höhepunkt des Gottesdienstes, die Ordination durch Probst Oliver Albrecht eingeleitet. In der anschließenden Predigt ging Pfarrerin Dr. Schüz Jeremai 9, 22–23 ein: So spricht der Herr: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der Herr“.

„Als Menschen haben wir unsere Schwierigkeiten, von Gott zu reden“, hielt Pfarrerin Dr. Schüz in ihrer Predigt dazu fest: „Gott ist und bleibt völlig anders als wir es mit unseren Fähigkeiten fassen können. Wir reden in menschlichen Bildern von ihm oder von ihr. Und wir müssen uns doch selbst immer wieder fragen, ob es nicht nur Projektionen sind, die wir für ,Gott' entwerfen, Projektionen unserer Wünsche, Hoffnungen, Sehnsüchte, die wir dann ,Gott' nennen“. Verantwortlich von Gott reden sei für alle wahrlich kein „Kinderspiel“. „Und doch sollten wir es immer wieder versuchen. Immer wieder neu. So wie wir auch vom Propheten Jeremia auf unsere Aufgabe hingewiesen werden: Gott kennen, um von ihm reden zu können. Die neue Pfarrerin hielt fest, dass „Gott kennen und von Gott reden“ die Aufgabe sei, nicht nur als Pfarrerinnen und Pfarrer, sondern Oberhaupt als Christen. „Jeremia weist uns darauf hin: Im Kern geht es um Gotteskenntnis. Nicht um Weisheit, Reichtum und Starke. Im Zentrum steht das Gott-Kennen. Sich dessen zu rühmen, heißt: Daraus eine Stärke ziehen. Das in den Mittelpunkt stellen“.

20180123 Dr Juliane Schuetz

Von Barbara Dietel- Wiesbadener Tagblatt

MITTELHEIM - Mittelheim. Immerhin rund 60 Kilometer ist Heusenstamm von Oestrich-Winkel entfernt, die Stadt im Kreis Offenbach in der Juliane Schüz aufgewachsen ist. Und trotzdem betrachtet sie ihr neues Heim im Pfarrhaus in Mittelheim als ein Nachhausekommen, wie sie sagt. Seit Anfang Januar ist Schüz Pfarrerin in der evangelischen Kirchengemeinde Oestrich-Winkel. Am Sonntag wird sie um 14 Uhr von Propst Oliver Albrecht in ihr Amt eingeführt.

Von der Wissenschaftlerin zur Pfarrerin

Die Ordination sei nicht nur eine Amtseinführung, erklärt die 32-Jährige, die in Oestrich-Winkel ihre erste Pfarrstelle antritt. Es sei die Grundeinsegnung in den geistlichen Dienst, der, da ist sich Juliane Schüz sicher, eine Menge Änderungen mit sich bringen wird. Bisher hat sie die Theologie vorwiegend von der wissenschaftlichen Seite aus betrachtet. Schüz, die in Mainz, Tübingen und am Theologischen Seminar in Princeton in den USA studierte, schrieb ihre Doktorarbeit über Karl Barth, der den theologisch-religionskritischen Grundzug geprägt hat, dass Gott nicht für eigene Zwecke missbraucht werden darf.

Ihr Vikariat an der Lutherkirche in Wiesbaden, wo ihr Mann konfirmiert und das Paar getraut wurde, sei so etwas wie eine Testphase gewesen, um zu schauen, „ob das Pfarramt das ist, was ich machen möchte“. Auch die Forschung an der Universität hätte die 32-Jährige gereizt, die in Mittelheim die Nachfolge von Mareike Frahn-Langenau antritt, die sich um die Lichtkirche bei der Landesgartenschau in Bad Schwalbach kümmert.

Nach ihrem Spezialvikariat, den zwei Jahren in Wiesbaden, kam Juliane Schüz jetzt aus Berlin, wo sie bei der Diakonie arbeitete, nach Oestrich-Winkel. An der kirchlichen Arbeit, dem Umgang mit vielen unterschiedlichen Menschen und Themen, schätzt sie das direkte Feedback. Ihr wissenschaftlicher Hintergrund sei durchaus hilfreich, ob bei der Vorbereitung einer Predigt, der Konzeption des Konfirmandenunterrichts oder bei anderen Angelegenheiten. Deshalb hat sich die 32-Jährige, die klassisch christlich aufgewachsen ist und für ihre Entscheidung für die Kirche auch die sehr gläubige Oma anführt, dann doch um eine Pfarrstelle beworben.

Und wieder kam, wie damals vor Antritt der Vikariatsstelle in Wiesbaden, Post von der Personalstelle der Evangelischen Kirche Hessen/Nassau. Die Pfarrerin sollte sich beim Leiter der Propstei Oliver Albrecht melden. Der schlug Oestrich-Winkel vor. Zunächst habe sie inkognito einen Gottesdienst besucht, dann mit Pfarrerin Elke Stern-Tischleder gesprochen, die ebenfalls eine volle Pfarrstelle in Oestrich-Winkel hat und sich schließlich der Gemeinde vorgestellt. Der Kirchenvorstand nahm den Vorschlag des Propstes an. Zum 1. Januar wurde Juliane Schüz in den Probedienst berufen. Drei Jahre muss sie sich nun bewähren, dann wird sie Pfarrerin auf Lebenszeit.

In der Mittelheimer Kirche lässt sich freier agieren

Ihren ersten Gottesdienst in der modernen Kirche in Mittelheim, die im Gegensatz zur pompösen Lutherkirche, die viel vorgebe, viel näher dran sei an Räumen, die man sonst so kenne, hat sie schon hinter sich. In der Kirche mit Bestuhlung statt fester Kirchenbänke könne man viel freier agieren, findet Juliane Schüz, die in der kurzen Zeit auch schon festgestellt hat, dass das Thema Ehen zwischen Katholiken und Protestanten im Rheingau einst ein brisantes Thema war, das die Leute bis heute beschäftige. Viele ökumenische Formate gebe es bereits, sie könne sich noch mehr Zusammenarbeit beider Kirchen vorstellen. Erst einmal will sie sich aber an eine eherne Regel halten. Sie laute, im ersten Jahr nichts zu ändern. Juliane Schüz sieht dazu auch gar keine Notwendigkeit. „Mein erster Eindruck ist, dass hier vieles gut läuft.“